„Peter Grimes, das bin ich“

Ein Berserker auf der Bühne: Brenden Gunnell als Peter Grimes in der Inszenierung des Staatstheaters. Foto: Thomas JaukFOTO: Thomas Jauk

Saarbrücken. Er ist eine Sensation auf der Bühne: Brenden Gunnell singt als Gast in der Staatstheater-Inszenierung der Britten-Oper Peter Grimes die Titelpartie. Und erntet regelmäßig Ovationen. Am heutigen Freitag und am 25. Juni sind die letzten Vorstellungen. Wir haben den Ausnahmesänger getroffen.

"Ich hab insgesamt sieben oder acht Jahre im Ensemble gesungen, und irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sagt, nee, doch lieber freischaffend und mein eigener Chef sein." Seit 2013 lebt der Tenor Brenden Gunnell inzwischen den Traum, den die meisten Sänger haben: freischaffend arbeiten und sich so den Lebensunterhalt verdienen.

Gunnell lächelt, als er erzählt, wie viel er momentan "rumkommt". "Ich mache sehr viel in Italien, in England, in China gebe ich mein Debüt, in den USA 2018, in Deutschland bin ich unterwegs und mein nächstes Projekt ist in Holland." 2007 bekam der gebürtige US-Amerikaner in Innsbruck beim Tiroler Landestheater sein erstes Engagement, wo er auch die Opern- und Liedsängerin, Regisseurin und Intendantin Brigitte Fassbaender kennenlernte. Es folgte prompt ein Fünfjahresvertrag, und innerhalb von vier Spielzeiten sang Gunnell über 50 Partien. "Da war vom Größten bis zum Kleinsten alles dabei. Da habe ich sozusagen mein Handwerk gelernt." Danach zog es Gunnell für eineinhalb Jahre nach Norwegen, ehe er in Regensburg sein erstes Engagement auf deutschem Boden antrat. "Nach zwei Monaten oder so hab ich dann aber beschlossen, freischaffend zu werden." Inzwischen genießt er seine Freiheit als Freischaffender, auch was die Zusage an Partien betrifft. "Man wird wählerisch, welche Partien man nimmt. Ich kann nur Stücke annehmen, bei denen ich weiß, ich will was damit sagen, man darf nicht nur schöne Töne produzieren."

Gefühle und Situationen will der Tenor er- und vermitteln, er möchte sein Publikum mitreißen und packen: "Ihr hört mir jetzt zu!" Selten bis nie war Gunnell bisher als Liebhaber oder "der Witzige" besetzt. "Das liegt mir nicht." Das heiße nicht, dass er auf der Bühne nur leiden möchte oder nur deprimierende Stücke spielt. "Aber ich möchte schon etwas machen, das mir was sagt, als Mensch."

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