Sandy soll nicht im Heim sterben

Sandy ist hier mit Verena Dlouhy-König zu sehen. Das kleine Foto unten links zeigt Sugar mit Colette Mollard. Und unten rechts posiert Gordy mit Betreuerin Heike Friedrich-Kasel. Fotos: Sarah DlouhyFOTO:

Saarbrücken. Sie wurden ausgesetzt, schweren Herzens weggegeben oder waren nach dem Tode ihrer Besitzer unversorgt. Im Bertha-Bruch-Tierheim warten sie auf ein Zuhause. Wir stellen sie vor. Diesmal geht es um Heimbewohner, die schon sehr lange am Folsterweg leben müssen. Aber die Tierschützer können ihren Schützlingen dort nie ein richtiges Zuhause ersetzen. Also hoffen sie auf wahre Tierfreunde.

Nein, da gibt es nun wirklich nichts zu feiern. Sandy steht 2016 ein trauriges Jubiläum bevor. Die 13-jährige Staffordshire-Terrier-Hündin wartet seit knapp einem Jahrzehnt im Saarbrücker Tierheim auf ihr richtiges Zuhause. Sandy ist eine liebenswerte Hündin. Natürlich hinterließen das lange Leben im Heim, das ständige Hoffen, gefolgt von vielen Enttäuschungen Ecken und Kanten an ihrer Seele. Sandy braucht inzwischen ein wenig Zeit beim Kennenlernen und lässt sich nur noch zögernd auf neue Leute ein. Das äußert sich im Misstrauen, das sie Fremden zunächst entgegenbringt. Interessenten sollten sich mit Hunden, und was noch besser wäre, besonders mit den Eigenheiten von Staffordshire-Terriern auskennen. Terriertypisch sind Sandys Wachsamkeit und ihre gehörige Portion Schutzinstinkt, sobald sie angeleint ist. Doch dieser liebenswerte Hund hat nichts an sich, was sich nicht mit Zeit und Geduld in den Griff bekommen ließe.

Sandy soll, so hart und traurig es auch klingt, nicht im Tierheim sterben. "Wir wünschen uns so sehr, dass diese tolle Hündin noch eine Chance in einem liebevollen Zuhause bekommt. Wir sind uns sicher, mit Zeit und Geduld wird sich Sandy wieder voll integrieren und voller Liebe und Dankbarkeit dem neuen Herrchen zur Seite stehen", sagt Heimsprecherin Tabatha Walter.

Kommen wir zum nächsten Vermittlungskandidaten, dem Staff-Mix-Mädchen Sugar. Sie ist neun Jahre alt und bereits seit sieben Jahren im Tierheim. Sie ist sehr anhänglich und verschmust, hat sie erst einmal Vertrauen gefasst. Dabei kann der erste Eindruck über Sugars Stärken hinwegtäuschen. Sie wirkt wie Sandy Fremden gegenüber unsicher und misstrauisch. Das ist der Preis einer nicht artgerechten Erziehung. Überforderte Vorbesitzer gaben diesem Hund nie die Selbstsicherheit, die er braucht.

Name: Sugar

Rasse: Staff-Mix

Geschlecht: weiblich

Kastriert: ja

Mit Artgenossen versteht Sugar sich ganz gut. Nur ab und an sind ihr manche Hunde unsympathisch. Sugar liebt es, mit Stöckchen zu spielen. Manchmal ist sie noch etwas zickig an der Leine, besonders wenn sie ihren Schutztrieb auslebt. Im Tierheim kommt es ganz darauf an, wer mit ihr spazieren geht. Auch Sugar muss erst wieder lernen, Vertrauen zu fassen, Interessenten sollten hundeerfahren und geduldig sein.

Unser letzter Kandidat in dieser Wer-will-mich?-Folge, Rüde Gordy, etwa 2009 geboren, kam bereits im Dezember 2011 als Fundhund ins Heim. Was er in seinem vorherigen Leben kennenlernte, welche Erfahrungen er mit Menschen machte, lasst sich deswegen leider nicht sagen. Seinem Verhalten nach zu urteilen, wurde er vermutlich nicht gut behandelt. Womit wir bei einer Gemeinsamkeit mit den beiden Hundemädchen wären. Gordy benötigt etwas Zeit um Vertrauen zu Fremden aufzubauen. Das geht am besten bei langen Spaziergängen. Wann sonst böte sich eine bessere Gelegenheit für Gordy, den Kontakt zu neuen Besitzern zu suchen. Anfassen lässt er sich nicht gleich. Das zeigt er jedem Fremden. Dabei hat dieser Hund inzwischen viel gelernt. Gordy geht prima an der Leine, passiert andere Tiere meist problemlos und achtet sehr darauf, was der Mensch von ihm möchte, dem er gefallen will. Gordy liebt es, mit ihm zu schmusen und zu spielen. "Für ihn suchen wir eine hundeerfahrene Familie oder Einzelperson ohne Kinder, die sich genug Zeit nehmen kann."

Name: Gordy

Rasse: Mischling

Geschlecht: männlich

Kastriert: ja Der Alltag im Tierheim stresst die Bewohner, so sehr die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter das auch vermeiden wollen. Das gilt umso mehr, wenn Hunde oder Katzen sehr lange im Heim sind. Deshalb werben Tierkenner wie die Heimsprecherin Tabatha Walter dafür, gerade den alten Bewohnern ein letztes glückliches Stück Leben in einem richtigen Zuhause zu schenken.

Ein Aufenthalt im Heim ist für jedes einzelne Tier eine Ausnahmesituation; deswegen ist es nicht einfach das daraus resultierende Verhalten zu pauschalisieren. Dennoch kann man einige typische Muster erkennen.

Egal wie lange der Heimaufenthalt ist, so ist es doch für den besten Freund des Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Ein enger Zwinger, fremde Menschen, Gerüche, Umgebung: All das würde uns ja auch Angst machen. Was bewirkt es aber bei einem Tier, wenn der Heimaufenthalt nicht nur kurz ist, sondern gar die Hälfte seines Lebens ausmacht? Viele unserer Hunde reagieren beim ersten Kontakt misstrauisch und mitunter garstig. Sie leben schon Jahre im Zwinger.

Geduld und Erfahrung zählen

Bei ihnen sind Geduld, Erfahrung und Einfühlungsvermögen gefragt. So eine Vermittlung kann Wochen oder Monate dauern. Diese Tiere leiden unter enormem Stress. Und ja, auch Tiere geben sich auf. Andere Hunde wiederum möchten keinen einzigen Menschenkontakt oder auch nur eine Streicheleinheit verpassen. Sie erwarten die Gassigänger schwanzwedelnd im Zwinger. Viele leiden unter Verlustängsten und können deshalb die erste Zeit im neuen Zuhause nicht allein bleiben. Es muss jedem klar sein: Ein Tier aus dem Heim hat eine Vergangenheit, von der seine Betreuer meist nichts wissen. Es ist so traurig für unsere Mitarbeiter, die sich täglich aufopferungsvoll mit unseren Tieren beschäftigen und sich um sie kümmern, zusehen zu müssen, wie unsere Schützlinge Tag für Tag auf ihren Menschen warten. Auch Langzeitinsassen können sich in eine Familie integrieren. Wer dafür die Geduld aufbringt, findet einen treuen Begleiter. Es gibt keinen Grund, sich abschrecken zu lassen. Diese Hunde haben die gleiche Chance verdient, auch wenn sie schon Jahre bei uns verbringen. Und das Personal des Tierheims gibt Interessenten Rat, der vieles einfacher macht.

Weitere Infos über die drei Hunde im Heim täglich von 14 bis 17 Uhr, Tel. (06 81) 5 35 30 (außer montags).

Zum Thema:

StichwortSeinen Osterbasar im Tierheim veranstaltet der Tierschutzverein Saarbrücken am Sonntag, 20. März, von 11 bis 17 Uhr. Auf dem Heimgelände am Folsterweg in Alt-Saarbrücken gibt es Kaffee, Kuchen und einen Flohmarkt. Kinder dürfen vorschlagen, wie die beiden ersten Heim-Katzenbabys des Jahres heißen sollen und sich auf eine kleine Überraschung freuen. ole

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