Porträt

Gegen Giftbömbchen in Nanogröße

Das Meer ist ihre Leidenschaft und ihr Beruf: Die Wahl-Saarbrückerin Frauke Bagusche arbeitet derzeit an ihrem ersten Buch. FOTO: Rich Serra

Saarbrücken. Die Meeresbiologin Frauke Bagusche aus Saarbrücken bietet dem Wegwerfplastik mit aller Entschlossenheit die Stirn.

Was aus den Fabriken herauskommt, ist enorm: 322 Millionen Tonnen Plastik werden pro Jahr weltweit produziert. Im Meer landet eine Müllwagenladung – in der Minute. Die Zahlen hat Frauke Bagusche im Kopf und kann sie mit einer Mimik sagen, so als sei nichts. Dabei wird ihr manchmal ganz anders. Wenn sie einen neuen Weltklimareport vor die Augen bekommt, braucht sie zwei bis drei Tage, um sich davon zu erholen. So desillusionierend. Das raubt ihr alle Motivation. Aber dann rappelt sie sich wieder auf und macht weiter mit ihrem Engagement gegen die Wegwerfmentalität der Gesellschaft und fürs Klima. Die Kraft schöpft sie ausgerechnet aus dem Meer, um das es selbst nicht gut bestellt ist, wie die Plastikzahlen zeigen. Sie liebt es, und es ist gleichzeitig ihre Arbeit.

Frauke Bagusche ist Meeresbiologin. In Frankfurt hat sie studiert, an den Unis in Wien und Paris geforscht und in Southampton über die Auswirkungen des Klimawandels auf marine kalkbildende Organismen promoviert. Danach zog es sie noch weiter hinaus in die Welt, zu den Malediven als Leiterin einer Öko-Station, nach Vietnam, um dort Korallenkindergärten entstehen zu lassen. Manchmal taucht sie und schießt Fotos von Tieren von unten. Schildkröten lassen sich so genau identifizieren und in einem System aus Zahlen, Wörtern und Erkenntnissen festhalten.

In Deutschland gestaltete sich alles erst ein wenig schwieriger. Bagusche musste am Anfang kostenlos Vorträge halten, sonst war nichts zu machen. Sie zog ins Saarland, um näher bei ihrem Bruder zu sein, der hier lebt, und profitierte von den kurzen Wegen. Inzwischen wird sie für ihre Vorträge bezahlt, viele schätzen sie als Expertin, ihr Einfluss steigt, sie gibt Lehrerfortbildungen und besucht Schulklassen, um den Kindern vom Plastik zu erzählen, das nicht nur durchs Meer treibt, sondern auch in unserer Luft schwebt und in uns eindringt, wenn wir atmen. Wir müssen dazu nichts tun, nur atmen. „Es gibt keinen anderen Weg, über den wir mehr Plastik in uns aufnehmen als so“, wie Bagusche sagt. Der Kunststoff kommt vom Autoreifenabrieb, oder es sind Fasern von unserer Kleidung, die wir bei jeder unserer Bewegungen von uns abschütteln.

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