SPD-Ortsverein feiert 100. Geburtstag

Völklingens SPD-Oberbürgermeister Raymond Durand (Zweiter von rechts) stattete in den 1970er Jahren der Partnerstadt Les Lilas bei Paris einen Besuch ab. Dabei waren aus Völklingen auch der Beigeordnete Manfred Freund und Bürgermeister Heinrich Schüssler (von links). Archivfoto: SZ/DurandFOTO:

Völklingen. Im Völklinger Restaurant Simona klirren an diesem Sonntag die Sektkelche. Bildungsminister Commerçon hält Ansprache.

Am 1. März 1917, noch mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges, gründete sich der Ortsverein der SPD in Völklingen. Den 100. Geburtstag begeht der Verein mit einer Feierstunde. Am Sonntag, 21. Mai, treffen sich Parteimitglieder, Freunde, Wegbegleiter von 14 bis 18 Uhr im Restaurant Simona in der Gatterstraße. Bildungsminister Ulrich Commerçon wird für Anke Rehlinger, einspringen, sie lässt sich entschuldigen, und die Festansprache halten, eine Ehrung von 40 altgedienten SPD-Jubilaren ist vorgesehen. Die musikalische Umrahmung übernimmt Wolfgang Winkler. Auch eine Festschrift hat der Ortsverein mit seinem Vorsitzenden Albert Augustin auf den Weg gebracht, 45 Seiten dick, gespickt mit Daten und Fakten, die die wechselhaften Geschichte der großen Volkspartei in der Region beleuchten.

Aber, bei aller Feierlaune, wie sieht es eigentlich aktuell bei den Völklinger Sozialdemokraten aus? Die Glanzzeiten sind längst vorbei, als die Sozis fast 30 Jahre lang in Folge den Völklinger Oberbürgermeister gestellt hatten. Ist die SPD eine alte Dame geworden, die einen Rollator benötigt? Zahnlos, ohne Biss? Seit 14 Jahren lenkt ein CDU-Mann die Geschicke der Stadt, Klaus Lorig, kritisch beäugt von den Sozialdemokraten. "Konstruktive Opposition" nennen sie das. So ist es in der Festschrift nachzulesen. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Man kennt sie. Zu viele Ankündigungen und Versprechungen gebe es, denen keine Taten folgten. Schwere Managementfehler bei den Stadtwerken hätten dazu geführt, dass diese fast Insolvenz hätten anmelden müssen. Oder die endlosen Verzögerungen beim Bau eines City-Centers.

Soviel Kritik fordert die Frage nach Führungsanspruch geradezu heraus. Zweimal scheiterte die SPD mit ihren Oberbürgermeister-Kandidaten, in 2003 und 2010. Jetzt hat die Partei eine neue Chance, den Rathauschef zu stellen. "Wir sind vorbereitet", sagte Christiane Blatt, die für die SPD im Landtag sitzt und seit einigen Tagen auch dessen Vizepräsidentin ist, am Freitag anlässlich eines Redaktionsbesuches. Der Rücktritt von Lorig sei längst überfällig gewesen. Wer zum Kandidaten um das Amt des Völklinger Oberbürgermeisters ihrer Partei nominiert wird, ob sich die SPD dem Vorschlag Lorigs anschließt, schon im September ins Rennen zu gehen - zeitgleich mit der Bundestagswahl - lässt Christiane Blatt offen. Aber: "Für Wähler ist es schon attraktiver, nur einmal zur Wahl zu gehen." Jetzt müsse sich die SPD zunächst beraten.

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