Türkisch-Unterricht soll unter Kontrolle

Völklingen. Türkisch-Unterricht an einer Grundschule in Völklingen, verantwortet vom türkischen Konsulat – das Thema hat jüngst für Aufregung im Stadtrat gesorgt. Nach dem Referendum, das den Weg für eine autokratische Regierung öffnet, gewinnt es neue Brisanz.

Die Völklinger Grundschule Haydnstraße ist in Raumnöten - darüber hat der Stadtrat kürzlich diskutiert. Und an einem Punkt hatten die Ratsmitglieder Fragen: Die Schule hatte in ihrer Bedarfs-Liste unter anderem einen Raum für Türkisch-Unterricht aufgeführt. Wer verantwortet diese Sprach-Stunden? Das türkische Konsulat, lautete die Auskunft der Verwaltung. Kann ja wohl nicht sein an einer deutschen Schule, hieß es unisono aus den Fraktionen im Stadtrat.

Doch, kann sein, ist so, sagt Marija Herceg, Sprecherin des saarländischen Bildungsministeriums, auf SZ-Nachfrage, "das läuft schon seit Jahrzehnten". Und nicht nur mit Türkisch, sondern, beispielsweise, auch Italienisch.

Als in den 1960er Jahren "Gastarbeiter" nicht nur allein, sondern zusammen mit ihren Familien ins Land kamen, gab es Regelungsbedarf für den Schulunterricht ihrer Kinder. Am 13. Juni 1966 gab das damalige "Ministerium für Kultus, Unterricht und Volksbildung" den ersten Erlass dazu heraus. Der sieht "wöchentlich 4-5 Stunden Unterricht durch eine ausländische Lehrkraft" in der Muttersprache der Kinder, "in Erdkunde und Geschichte ihrer Heimat sowie in Religion" vor. Ziel war dabei, dass die Kinder "die Bindung an ihre heimatliche Sprache und Kultur nicht verlieren". Man ging davon aus, dass die "Gastarbeiter" eines baldigen Tages zurückkehren würden, und wollte die Kinder dafür vorbereiten. Dazu passte die Auswahl der Lehrkräfte: Sie mussten "die volle Lehrbefähigung für das Lehramt an Volksschulen nach dem Recht ihres Heimatlandes erworben haben", heißt es im Erlass. Und: "Ihre Beschäftigung erfolgt nach Absprache mit dem zuständigen Konsulat."

top