Brandschutzexperte aus Saarbrücken

„Am Ende geht es um Leib und Leben“

Vier Menschen starben, als im Dezember 2017 eine Brandstifterin in einem Wohnhaus in der Saarbrücker Saaruferstraße Feuer legte. Ein Sachverständiger stellte nach dem verheerenden Feuer fest, dass in dem Gebäude ein Rauchabzug im Treppenhaus fehlte und Abschlusstüren im Flur defekt oder blockiert waren. FOTO: Peter Stefan Herbst

Saarbrücken. Der Brandschutzexperte Claudius Bäuerle schätzt, dass 90 Prozent aller Gebäude Brandschutzmängel aufweisen.

Im Dezember 2017 kamen beim Brand eines Wohnhauses in der Saarbrücker Saaruferstraße vier Menschen ums Leben. Im Nachgang stellten Experten fest, dass das Gebäude gegen mehrere Brandschutzvorschriften verstieß. Laut Claudius Bäuerle, Architekt aus Saarbrücken und Brandschutz-Experte der Architektenkammer des Saarlandes, ist das bei Weitem kein Einzelfall.

Herr Bäuerle, wenn ein älteres Gebäude heutigen Brandschutzvorschriften nicht mehr entspricht, aber nach geltendem Recht gebaut wurde, hat es dann Bestandsschutz?

BÄUERLE In der Regel schon. Nur wenn sich die Art der Nutzung oder die Größe des Gebäudes, etwa durch Anbauten, geändert hat, erlischt der Bestandsschutz. Oft wird das von Immobilienbesitzern lax gehandhabt: Sie holen sich einen Gewerbetreibenden als Mieter in ihr Gebäude, der etwas ganz anderes macht als es ursprünglich in der Baugenehmigung stand, oder sie bauen kräftig um, ohne sich das genehmigen zu lassen. Die landläufige Meinung ist, dass Probleme mit dem Brandschutz entstehen, weil sich Vorschriften ändern. Dem ist aber nicht so. Meistens liegt es an einem Versäumnis der Immobilienbesitzer.

top