Umfrage

Die Saarländer schätzen ihre Nachbarn

Kulturbegleiterin Inge Bier und Kulturgenießer Hans Leiner im Saarbrücker „Theater im Viertel“. FOTO: Jörg Wendel

Saarbrücken. Gute Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft ist den Saarländern einer bundesweiten Umfrage zufolge überdurchschnittlich viel Wert. Wir stellen zwei Beispiele vor.

Die Saarländer legen großen Wert auf eine gute Nachbarschaft. Das ergab eine bundesweite YouGov-Umfrage im Auftrag von Nextdoor, einem privaten sozialen Netzwerk für Nachbarschaften. Zwei Paradebeispiele aus Saarbrücken zeigen, dass die saarländischen Nachbarschaften sehr aktiv sind und den Saarländern vor allem eines am Herzen liegt: Hilfsbereitschaft.

Im Nauwieser Viertel treffen sich heute acht engagierte Anwohner in der Nauwieser Neunzehn, auch N.N. genannt, wie viele Saarbrücker wissen. Der aktive Kern der Initiative Nauwieser Viertel trifft sich hier seit der Gründung 2012 regelmäßig, um die zurückliegenden Aktivitäten zu besprechen und neue Aktionen zu planen. Noch ist der Raum mit den schlicht weiß verputzten Wänden und dem einfachen hellen Laminatboden kahl und abgesehen von ein paar Tischen ziemlich leer. So leblos wird er aber nicht mehr lange bleiben. Noch bis zum 30. September können Bewohner und Freunde des Viertels ihre Fotos zum Thema „Arbeiten im Viertel“ an die Initiative Nauwieser Viertel senden. Ab 13. Oktober werden diese dann in der N.N. ausgestellt. Laut YouGov Umfrage ist in saarländischen Nachbarschaften mehr los als im Rest der Republik. Jeder Vierte der befragten Saarländer bezeichnete sein direktes Umfeld als besonders aktiv. Dritter Platz nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Das Nauwieser-Viertel ist dafür ein Paradebeispiel. Erzählcafé, Nauwieser Frühstück, Weihnachtswunschbaum – die Liste der Aktivitäten, die die Gruppe rund um Initiatorin Lieselotte Hartmann, von allen nur Lilo genannt, in Kooperation mit Sigrid Jost vom Kunst- und Kulturwerk auf die Beine stellt, ist lang. Und bei jedem Treffen kommen neue Ideen dazu. Daran beteiligen sich auch die Gewerbetreibenden im Viertel, wie Nicole Fleisch. Die HBK-Studentin hat in der Nauwieserstraße ein kleines Designatelier und beteiligt sich an der Aktion „Kunst am Kasten“. So soll einen der verdreckten grauen Sicherungskästen bald ein bunter Schmetterling zieren. Die Ideen für diese Aktionen werden auch schon mal bei anderen Städten abgeschaut. Deshalb freut sich die Initiative auch, wenn wieder andere Stadtteile ihrem Beispiel folgen.

Dass man im Saarland immer jemanden kennt, der jemanden kennt, ist hinreichend bekannt. Das belegt auch die Umfrage. Demnach kennen 28 Prozent der Saarländer noch jeden einzelnen ihrer direkten Nachbarn. Deutschlandweit der Spitzenwert. Das wundert Yves Mathias, der im Viertel aufgewachsen ist und seit 2006 wieder hier lebt, nicht. Für ihn ist das Viertel ein „Dorf in der Stadt“. Erst vor Kurzem habe die Initiative einen Hofflohmarkt veranstaltet. Dafür wurde der Nachbarschaftsflohmarkt, der allmonatlich auf dem Max-Ophüls-Platz stattfindet, auf die Hinterhöfe der Bewohner ausgeweitet. „Leute, die man sonst nur vom Sehen kennt, hat man auf ein Mal ganz privat kennen gelernt“, sagt Mathias. Viele neue Bekanntschaften seien entstanden. „Mit einigen hat man sich abends festgequatscht“, freut sich der 43-Jährige über die gelungene Aktion. Während diese persönlichen Kontakte im Saarland gut gepflegt werden, gilt dies weniger im Online-Bereich. Mehr als zwei Drittel sind mit keinem einzigen Nachbarn über Soziale Netzwerke im Internet verbunden.

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