Auflagen und hohe Kosten für Vereine

Hat der Karneval ein Ehrenamtsproblem?

Was wird aus dem bunten Brauchtum? Hinter den Kulissen knirscht es im Gebälk. FOTO: dpa / Roland Weihrauch

Homburg/Saarbrücken. Den Narren machen Auflagen und hohe Kosten zu schaffen. Deutschlands oberster Karnevalist, der Bexbacher Klaus-Ludwig Fess, hat daher dringende Appelle an die Politik gerichtet und alle Innenminister besucht. Das Ergebnis aus seiner Sicht: durchwachsen.

Klaus-Ludwig Fess trifft die Bundeskanzlerin, spricht mit Innenministern und Oberbürgermeistern. Und immer geht es um das gleiche Thema: Deutschlands oberster Karnevalist kämpft für das Ehrenamt und die kleinen Vereine. Die SZ hat den Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval (BDK) in seinem Homburger Büro besucht und mit ihm über die Probleme gesprochen, die dem Karneval, der Fastnacht und dem Fasching bundesweit zu schaffen machen.

„Egal, wo ich in Deutschland hinkomme, überall loben die Politiker das Ehrenamt und zeigen – besonders zu Wahlkampfzeiten – Präsenz bei den Sitzungen und Umzügen. Nur an den Problemen der Vereine ändert sich gar nichts. Auch ein Ehrenamtsstärkungsgesetz kommt an der Basis in keiner Weise an“, beklagt der 51-Jährige, der im September als Präsident von 2,7 Millionen Karnevalisten aus 5344 Vereinen in Deutschland wiedergewählt wurde und Deutschland von Nord bis Süd bereist, um bei den Vereinen präsent zu sein oder Lobbyarbeit zu machen.

„Karneval ist eine ernste Sache“, sagt er und weiß genau, wovon er spricht, denn hinter den Kulissen des bunten Treibens knirscht es im Gebälk. Zwischen Kiel und Oberbayern beschäftige die Narren immer das Gleiche: Der Staat habe wohl vergessen, dass er Brauchtum nicht pflegen könne, wenn er kleine Vereine wie Konzerne behandele und sogar die Vorstände in die Haftung nehme. „Nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg ging das richtig los. Verwaltungen wollten keinerlei Risiko mehr tragen und wälzten alles auf die Vereine ab. Plötzlich sind wir zuständig für die Terrorabwehr und müssen Einverständniserklärungen für Fotoaufnahmen auf die Eintrittskarten drucken, dabei ist unser Hauptproblem, wie man die Schuhe für die Gardemädchen bezahlen kann.“

top