Geologie

Messstellen für Radon-Gas im Saarland geplant

Radon-Konzentration in DeutschlandFOTO: SZ / Steffen, Michael

Saarbrücken. Bis zu 1000 Kontrollpunkte sollen installiert werden, um Gefahren einschätzen zu können. Ein Überblick über den gegenwärtigen Sachstand.

Eine von Grünen, Linken und FDP mit Blick auf die geplante Grubenflutung geforderte Überwachung der Radon-Konzentrationen im Saarland steht unmittelbar bevor. Denn anlässlich des neuen Strahlenschutzgesetzes, das Ende 2018 bundesweit in Kraft tritt, müssen die Bundesländer in den kommenden zwei Jahren die Konzentrationen des natürlichen Edelgases in ihrem Land ermitteln, um gegebenenfalls sogenannte Radon-Vorsorgegebiete auszuweisen. Nach Angaben des saarländischen Umweltministeriums sollen dazu „bis zu 1000 Messstellen“ landesweit verteilt aufgebaut werden. Damit wird quasi ein Kataster für das in höheren Dosen krebserregende Edelgas Radon erstellt, wie es die Oppositionsparteien in der Vergangenheit mehrfach gefordert hatten (wir berichteten).

Radon tritt aus dem Boden aus und kann sich in Gebäuden anreichern. Das Einatmen von hohen Radon-Konzentrationen zählt nach dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Die durchschnittliche Radon-Konzentration in Wohnungen in Deutschland beträgt nach Expertenangaben etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter. Etwa die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung des Menschen wird durch Radon verursacht. Hinzu kommen radioaktive Strahlenbelastungen durch die Medizin (u.a. Röntgen), Nahrungsmittel, Baustoffe (u.a. Granit und Klinker) und die Höhenstrahlung beim Fliegen. Der Transport von Radon wird von der Durchlässigkeit des Bodens bestimmt sowie von der Witterung.

In Bergbaugebieten wie dem Saarland sind Klüfte und Risse im Erdreich entstanden, durch die Radon ebenso wie das für den Kohlebergbau typische Methangas zusätzlich entweichen kann. Der Bergbau muss jedoch nicht zwangsläufig zu einer erhöhten Radon-Konzentration an der Erdoberfläche führen. So hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) etwa die höchsten Radonwerte in der Bodenluft zu aktiven Bergbauzeiten im Saarland im Bliesgau (Muschelkalkboden) gemessen – kein Abbaugebiet. Die Bodenluftmessungen im Karbon im Saarland, wo abgebaut wurde, seien dagegen „für Deutschland eher durchschnittlich“ gewesen, so das BfS. Die Berliner Behörde weist denn auch auf SZ-Anfrage ausdrücklich darauf hin, dass sich ein Zusammenhang zwischen erhöhten Radon-Vorkommen und ehemaligen Bergbaugebieten „nicht eindeutig herstellen“ lässt. Entsprechend lasse sich auch nicht belegen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Bergbaugebieten und der Zahl der Lungenkrebserkrankungen gebe (siehe Text unten). Die Radon-Konzentration etwa in einem Haus hänge vielmehr von der Verfügbarkeit von Radon im Boden ab und wie gut es dort transportiert werde. Sogenannte Primärlagerstätten von Radium, zu dessen Zerfallsprodukten Radon gehört, sind das Erzgebirge, der Thüringer Wald oder der Harz. Nicht das Saarland. Aus einer Radon-Prognose des BfS für Deutschland (siehe Grafik) geht hervor, dass das Saarland in Bezug auf die Radon-Konzentrationen in der Bodenluft zumindest nach bisheriger Datenlage nicht zu den Risikogebieten in Deutschland zählt.

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