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Ärzte erlauben Beratung per Video

Mit einem Mausklick in die Sprechstunde

Wie viele Ärzte im Saarland die neue Möglichkeit nutzen werden, ist noch unklar. Hier testet eine Ärztin zusammen mit einem Programmierer die neue Praxissoftware für Fernbehandlungen.  FOTO: dpa / Christoph Soeder

Saarbrücken. Es ist eine kleine Revolution: Arztpraxen können künftig Online-Sprechstunden anbieten. Nicht alle Mediziner sind davon begeistert.

Wer Schmerzen vom Arzt abklären oder sich beraten lassen will, muss in Zukunft voraussichtlich keine Praxis mehr aufsuchen. Einem Grundsatzbeschluss des Deutschen Ärztetages zufolge dürfen Ärzte Patienten künftig auch per Telefon, SMS, E-Mail oder Video-Chat behandeln – und zwar ohne vorherigen persönlichen Kontakt. Voraussetzung ist, dass die Mediziner die ärztliche Sorgfalt bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation gewährleisten und ihre Patienten über die Online-Behandlung aufklären. Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stelle aber weiterhin den „Goldstandard ärztlichen Handelns dar“, sagte Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes.

Der 64-Jährige hat als Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer maßgeblich an dem Beschluss des Ärztetages in Erfurt mitgewirkt, der den Weg für Fernbehandlungen geebnet hat. Diese sind nicht unumstritten. Die Vertreterversammlung der Saar-Ärztekammer sprach sich erst vor wenigen Wochen gegen Fernbehandlungen aus. Allerdings geht Mischo davon aus, dass dies noch nicht das letzte Wort war. Im Herbst wird sich die Versammlung erneut mit der Frage befassen. „Ich glaube schon, dass wir es mittelfristig umsetzen werden“, sagte Mischo. Und zwar, wenn klar wird, wie diese Form der Behandlung und ihre Rahmenbedingungen konkret aussehen werden. Der Kammerpräsident erwartet, dass im Saarland die ersten Ärzte in anderthalb bis zwei Jahren Video-Sprechstunden anbieten.

Dazu ist – neben der Zustimmung der Vertreterversammlungen der Landesärztekammern – noch jede Menge Vorarbeit nötig. Mischo, Unfallchirurg an der Marienhausklinik in Ottweiler, wird auf Bundesebene die zuständige Arbeitsgruppe leiten. Mit der Einführung der Fernbehandlung verbindet er die Hoffnung auf eine bessere Steuerung der Arztbesuche. Wer etwa nicht wisse, welcher Facharzt für sein Problem zuständig ist, könnte sich erstmal per Video-Sprechstunde beraten lassen. Mischo glaubt auch, dass auf diese Weise die Notfallambulanzen der Kliniken entlastet werden könnten, in denen sich regelmäßig Menschen melden, die gar keinen medizinischen Notfall haben. Auch könnten Fernbehandlungen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu sichern, wo sich kaum noch junge Hausärzte niederlassen wollen.

Ein weiterer Vorteil könnte nach Mischos Ansicht sein, dass sich für Ärztinnen und Ärzte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern ließe. Seine Hoffnung: Mediziner, die einige Jahre im Beruf waren, dann aber wegen des Nachwuchses zu Hause bleiben und nicht mehr fest in einer Praxis arbeiten wollen, könnten stundenweise eine Online-Sprechstunde anbieten. Nötig seien dafür aber Erfahrung und Weiterbildung.

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