Kinder suchtkranker Eltern

Saarländischer Kinderschutzbund schlägt Alarm

Etwa 37000 Kinder im Saarland wachsen mit suchtkranken Eltern auf. Das Risiko für diese Kinder, ebenfalls süchtig zu werden, ist sehr hoch. Im Saarland gibt es jedoch kaum Hilfsangebote für diese Kinder. (Symbolbild) FOTO: dpa / Uwe Anspach

Saarbrücken. Für Kinder von suchtkranken und psychisch erkrankten Eltern fehle es an Hilfsangeboten. Dies könne ein Leben lang negative Folgen haben.

(dpa) Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler mindestens einen suchtkranken Elternteil. Ihre seelische und körperliche Gesundheit könne dadurch massiv beeinträchtigt werden. Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Saarland, Stefan Behr, kann dies bestätigen. Der 54-Jährige arbeitet an einer Grundschule als Sozialarbeiter. „Jeden Tag sehe ich die Not der Kinder und bin mit ihrem Elend konfrontiert“, sagt er. „Das ist keine Theorie, das ist die Wirklichkeit. Und die Zahlen sind dramatisch.“ Abgeleitet vom Bund müsse im Saarland mit mindestens 37 000 betroffenen Kindern gerechnet werden.

Im Kontakt mit den Mädchen und Jungen könne er „alle möglichen Schattierungen“ beobachten: Es gebe Kinder, die massive Bindungsstörungen haben, die verwahrlost sind, die die Elternrolle übernehmen – und die ständig unter Stress stehen, weil sie mit der Verantwortung, die sie sich aufladen, vollkommen überfordert sind. „Das Personal in Kindergärten und Schulen weiß das“, meint Behr. „So etwas läuft früher oder später auf ein Desaster hinaus.“ Denn die betroffenen Kinder gelten als besonders gefährdet, später selbst eine Suchterkrankung oder andere seelische Störung zu entwickeln.

Susanne Münnich-Hessel, Psychotherapeutenkammer des Saarlandes. FOTO: Stephanie Schwarz
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