Bundesgerichtshof

Alles auf Null: Steuerprozess gegen Ex-Agent Mauss beginnt von vorn

Der Ex-Agent Werner Mauss. FOTO: picture alliance / dpa / Ina Fassbender

Karlsruhe.

Als „deutscher James Bond“ nahm es Werner Mauss mit Geiselnehmern und Guerillakämpfern auf – und machte ein Vermögen. Mit Ende 70 droht ihm Gefängnis wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung. Aber der Mann, der im Hunsrück lebt, ist auch für seine Richter schwer zu fassen. Es geht dabei um geheimnisumwitterte Auslandskonten und einen möglichen Schaden für den Fiskus in Millionenhöhe. Der Strafprozess gegen den legendären Ex-Agenten Werner Mauss wegen Steuerhinterziehung bot Einblicke in eine Welt, die man sonst nur aus Filmen kennt – jetzt muss er in Bochum komplett neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Donnerstag die Verurteilung des 78-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung mit sämtlichen Feststellungen auf. Die Entscheidung weise in einem zentralen Punkt Widersprüche auf, hieß es beim BGH in Karlsruhe.

Das Landgericht Bochum muss den Fall Mauss nun vor einer anderen Wirtschaftsstrafkammer noch einmal von vorn verhandeln. Der Fall beschäftigt die Justiz in Nordrhein-Westfalen, weil damals das Finanzamt Essen für Mauss zuständig war. Anklage wie Angeklagter hatten gegen das Urteil von Oktober 2017 Revision eingelegt – jeweils mit Erfolg. Die Staatsanwaltschaft will eine höhere Haftstrafe erreichen, Mauss‘ Verteidiger den Freispruch.

Mauss war jahrzehntelang ein Phantom, eine Art „deutscher James Bond“. Kein Foto existierte von ihm in der Öffentlichkeit, nur mehrere Alias-Namen. Bei seinen weltweiten Einsätzen für private und staatliche Auftraggeber hatte er es mit Geiselnehmern, Terroristen und Drogenkartellen zu tun. Auch der Bundesregierung galt Mauss wegen seiner Kontakte als wichtiger Türöffner, wie der ehemalige Staatsminister im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer (CDU), im Bochumer Prozess schilderte, vor allem zu südamerikanischen Guerillagruppen.

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