Staatsrechtler fordert Saartoto-Reform

„System kräftig demokratisch belüften“

Das Saartoto-Haus an der Saarbrücker Stadtautobahn ist das bekannte Symbol der 1951 gegründeten Lotteriegesellschaft mit rund 120 Mitarbeitern. FOTO: Saartoto

Saarbrücken. Die Art und Weise, wie die Saartoto-Millionen verteilt werden, ist nach Ansicht des Staatsrechtlers Christoph Gröpl nicht haltbar. Er fordert, über die Gelder den Landtag abstimmen zu lassen – und die Saartoto GmbH aufzulösen.

Ohne die Zuschüsse der Saarland-Sporttoto GmbH, das kann man wohl sagen, wäre die Landschaft des Sports und der Kultur im Saarland wesentlich ärmer. Seitdem das Unternehmen 1951 im damals autonomen Saarstaat auf Betreiben des Landessportverbandes (LSVS) gegründet wurde, hat es mehr als 850 Millionen Euro für Sport, Kultur, Umwelt und Soziales ausgeschüttet. Es dürfte kaum einen Sportplatz und kaum eine größere kulturelle Veranstaltung im Land geben, in denen keine Saartoto-Gelder stecken. „De Oskar hat die Macht und ich das Geld“, so drückte der frühere Saartoto-Chef Alfred Holzwarth es gerne aus, der Satz wurde zum geflügelten Wort.

Vier Siebtel an Saartoto hält das Land, drei Siebtel der LSVS – eine Konstruktion, die seit Jahrzehnten als Erfolgsmodell gerühmt wird. Zu den saarländischen Besonderheiten zählt auch, dass Schwarz und Rot jeweils einen Geschäftsführer bestimmen. In der Regel handelt es sich um ehemalige Politiker, derzeit stehen Ex-Finanzminister Peter Jacoby (CDU) und der frühere Regionalverbandsdirektor Michael Burkert (SPD) an der Saartoto-Spitze.

Doch im Zuge der LSVS-Affäre werden die Strukturen bei Saartoto inzwischen kritisch hinterfragt. Dass etwa der amtierende saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) einerseits Vorsitzender des Saartoto-Aufsichtsrates ist und andererseits als Glücksspielaufsicht die Beschlüsse eben jenes Aufsichtsrats genehmigen muss, hat zunächst niemanden sonderlich interessiert. Inzwischen sagt Bouillon selbst: „Ich entscheide über Zuschüsse und soll nachher sagen: Der Bouillon hat es richtig gemacht. Das geht nicht.“ Er will bei Saartoto raus. Alle Politiker sollten seiner Meinung nach raus, auch aus dem Sport, komplett.

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