Bundeswehr

Warum der Adler nun wieder hängt

Der Adler wurde vorübergehend abgenommen. Nachdem klar war, dass er rechtlich unbedenklich ist, wurde er wieder angebracht. FOTO: Ruppenthal

Saarlouis. In der Kaserne in Saarlouis ließen Vorgesetzte ein Abzeichen der Fallschirmjäger sicherheitshalber von einem Gedenkstein abmontieren. In Zweibrücken wurde ein Kompanie-Motto verboten. Wie weit darf Traditionspflege gehen?

Die Stimmung in der Bundeswehr ist derzeit nicht gut, das spürt man auch an den Standorten in der Region. Viele Soldaten empfinden eine Mischung aus Unverständnis, Ratlosigkeit und Enttäuschung. Wann die Stimmung gekippt ist, lässt sich relativ gut datieren, es gab zwei Ereignisse. Erstens Ende April der Vorwurf von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Truppe habe ein Haltungsproblem. „Dadurch ist die Seele der Soldaten getroffen worden“, sagt Thomas Sohst, der Landesvorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes. Die Neunkircher SPD-Bundestagsabgeordnete Heidtrud Henn, Mitglied im Verteidigungsausschuss, berichtet von Anrufen und E-Mails von Soldaten, „die die Uniform ausziehen wollten“. Dazu sagte Henn: „Mir tut das im Herzen weh. Das Vertrauen zwischen der Ministerin und der Truppe ist gebrochen.“

Das zweite Ereignis war Anfang Mai die Anordnung der Bundeswehr-Führung an die Disziplinarvorgesetzten, alle Kasernen auf Wehrmachts-Devotionalien zu durchsuchen. Hunderte Fallschirmjäger der Saarland-Brigade waren zu diesem Zeitpunkt gerade in Schleswig-Holstein beim größten Manöver im freien Gelände seit Ende des Kalten Krieges.

Diese Überprüfung führte dazu, dass sich Soldaten in Saarlouis eines Tages verwundert die Augen rieben. An einem Gedenkstein am Eingang der Graf-Werder-Kaserne war der stürzende Adler, seit Jahrzehnten das Symbol der Fallschirmjäger, verschwunden. Das Abzeichen war verdächtig geworden, weil es in dieser Version – goldener Adler auf silbernem Eichen- und Lorbeerkranz – bereits den Fallschirmjägern der Wehrmacht als Symbol gedient hatte. Der Unterschied: Zu NS-Zeiten hatte der Adler in seinen Fängen ein Hakenkreuz. Eine Prüfung der Bundeswehr ergab: „Bei dem stürzenden Adler handelt es sich um eine Version, welche laut dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 innerhalb der Bundeswehr getragen werden darf.“ In einer Bekanntmachung des Bundesinnenministers von 1958 war der goldene Adler in der Version ohne Hakenkreuz ausdrücklich erlaubt worden. Daher, so die Bundeswehr, „wurde das Anbringen wieder veranlasst“, der Adler hängt wieder. Offizielles Abzeichen der Fallschirmjäger in der Bundeswehr ist gleichwohl eine modernere Version des Adlers.

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