Taube Hündin

Den Menschen gerne die Zähne gezeigt

Arielle sucht ein Zuhause – begleitet wird die taube Hündin dabei von Hundetrainerin Yvonne Braun. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel

Saarwellingen. Die taube Hündin Arielle sucht nach einer verständnisvollen Familie.

„Arielle braucht Hilfe, und wir stehen in der Verantwortung“, sagt Yvonne Braun mit Nachdruck und krault die Mischlingshündin mit den hellen Augen. Die genießt die Streicheleinheiten sichtlich, lässt die Hundetrainerin, die sich auf verhaltensauffällige Hunde spezialisiert hat, aber auch Brauns Freund ganz nah an sich heran. Absolut ausgeglichen tollt sie an der Schleppleine über das Gelände der Hundeschule in Saarwellingen, dreht sich auf den Rücken und lässt sich den Bauch kraulen.

Doch genau hier, sagt Braun, beginnt das Problem mit der etwa dreieinhalb Jahre alten Arielle. Während sie zu dem Paar nach intensiven Trainingseinheiten Vertrauen aufgebaut hat, sich anfassen lässt und auch erste Kommandos mühelos beherrscht, reagiert sie gegenüber fremden Menschen und auch Hunden aggressiv. Trainingseinheiten mit fremden Menschen und Hunden, erklärt die erfahrene Trainerin, wird bei Arielle mit einem Maulkorb durchgeführt. „Das gibt ihr und uns gleichermaßen Sicherheit“, sagt sie. Das aggressive Verhalten war letztlich auch der Grund, warum Arielle nach anderthalb Jahren von ihren Besitzern abgegeben wurde. Zweimal, sagt Yvonne Braun, hat die Hündin bei der Familie ihre Zähne eingesetzt. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das auch ein Stück weit an ihrer Taubheit liegt. Doch Arielle kam als Straßenhund aus Griechenland durch den Tierschutz nach Deutschland, sie zeigt ein ganz typisches Territorialverhalten“. Diese Hunde lebten oft seit Generationen auf der Straße, müssen ums Überleben kämpfen, der Mensch spiele hier keine Rolle, erklärt sie. „Vor allem das Vertrauen in ihren Menschen, das muss langsam aufgebaut werden. Sie muss lernen, dass der Mensch die Verantwortung übernimmt.“ Dazu, das verschweigt Yvonne Braun nicht, bedarf es eines intensiven Trainings – und das wohl ein Leben lang.

Eine Kundin, erzählt Yvonne Braun, sei auf Arielle bei Facebook aufmerksam geworden. „Mir hat der Hund leid getan, ich habe beschlossen, mal zu schauen, was ich machen kann“, erzählt Braun. Das ist jetzt einige Wochen her, bewirken konnte sie viel. „Viele Dinge konnten wir mit ihr trainieren, ein bisschen muss man sie aber auch nehmen, wie sie ist, allein schon aufgrund ihrer Taubheit“, sagt Braun. Arielle, das zeigt unser Besuch, ist ein aufgeschlossener, aber auch misstrauischer Hund, der in Gefahrensituationen zu Selbstschutzmaßnahmen greift. Sie braucht eine erfahrene, ruhige Hand, vor allem aber Vertrauen.

(cim)
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