Bezeichnungen für Frauen in der Mundart werden erfragt

Sara Martin (Mitte) erforscht Kuriositäten der weiblichen Namensnennung im moselfränkischen Dialekt. Das Foto zeigt sie bei der Befragung der Probandin Nancy Winkel (links). Die Schmelzer Germanistikstudentin Ricarda Leidinger (rechts) arbeitet in dem Sprachprojekt mit. Foto: Dieter LorigFOTO: Dieter Lorig

SCHMELZ. Ein Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, warum, wo und wann manche weiblichen Rufnamen im Dialekt ins Neutrum gesetzt werden.

Der Schmelzer Dialekt steht im Fokus von Forschungen einer Doktorandin aus Luxemburg. Die 25-jährige Sprachwissenschaftlerin Sara Martin ist Mitarbeiterin des Institutes für luxemburgische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Uni des Großherzogtums. Gemeinsam mit weiteren Linguisten der Universitäten Mainz und Freiburg in der Schweiz erforscht sie umgangssprachliche Besonderheiten. Dabei geht es darum zu klären, wo, wann und warum manche weiblichen Rufnamen im Dialekt ins Neutrum gesetzt werden.

Auch im Saarland bezeichneten viele Menschen ihnen vertraute Personen umgangssprachlich, etwa als "das Anna", "es Maria", "et Paula", "s Marianne" oder "dat Monika", erläuterte Martin. "Um dieses Phänomen umgangssprachlicher Abweichungen des natürlichen Geschlechtes zum grammatischen Geschlecht zu erforschen, befragen und interviewen wir Menschen in unterschiedlichen Regionen entlang des Rheins, der Mosel und Saar, in Luxemburg und der deutschsprachigen Schweiz." Aber auch im Rheinfränkischen, Hessischen und Alemannischen bestehe teilweise das sprachliche Phänomen. Das gesamte Verbreitungsgebiet ist auf der Webseite www.femineutra.de ersichtlich.

Ein Schwerpunkt der Befragungen im Saarland erfolge in Schmelz. Dort unterstützt Ricarda Leidinger die Sprachwissenschaftlerin. Die 20-jährige Schmelzerin studiert Germanistik in Luxemburg und arbeitet als studentische Hilfskraft in dem internationalen Projekt. In Schmelz haben sich neben Doris Thies, 55, und der 20-jährigen Nancy Winkel noch weitere sechs Probanden den Befragungen der Sprachwissenschaftler gestellt. Die Kandidaten mussten Lückentexte in moselfränkischem Dialekt ergänzen. Oder sie bekamen Videos ohne Ton vorgespielt und sollten danach im Dialekt beschreiben, mit was sich die weiblichen Personen im Film beschäftigten. Wer Interesse hat, kann sich an dem Projekt mit einer Online-Befragung beteiligen: www.namenforschung.net/weibliche-rufnamen-im-neutrum/online-umfrage/ . "Sämtliche Auswertungen erfolgen anonym", bestätigte Doktorandin Martin. 2018 wird das Projekt abgeschlossen. Es sei geplant, die Ergebnisse in einem Buch und einer Bestandskarte zu veröffentlichen. Finanziell unterstützt wird das Forschungsprojekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Fonds Nationale de la Recherche Luxembourg und Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

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