Dass St. Wendel eigenständig mit dem dualen System verhandeln kann, wie es den Verpackungsmüll eingesammelt haben möchte, ist dem Fakt geschuldet, dass die Kreis-stadt in Sachen Müllentsorgung seit 19 Jahren auf eigenen Füßen steht – und somit öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger ist, wie es in schönem Amtsdeutsch heißt. Ebenso schön: VerpackG. Das bedeutet Verpackungsgesetz, was wiederum die Kurzform ist für  „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die hochwertige Verwertung von Verpackungen“. Das ist am 1. Januar diesen Jahres inkraftgetreten. Das VerpackG bietet den Entsorgungsträgern in Paragraph 22 die Möglichkeit, Vorgaben für die Erfassung der Leichtverpackungen zu erstellen. Das heißt, dass St. Wendel gegenüber dem Dualen System festlegen kann, wie die Sammlung des Verpackungsmülls vonstatten gehen soll – ob im Sack oder in der Tonne.

Die gelben Tonnen haben aus Sicht der Stadtverwaltung gegenüber den Säcken Vorteile. So werden diese bei starken Windböen nicht verweht, sie platzen gemeinhin nicht auf, locken dadurch keine Schädlinge an und werden nicht zu Unzeiten am Straßenrand gestapelt. Auch die Zweckentfremdung, beispielsweise für das Einlagern von Saisonkleidung, entfällt – was dem Endverbraucher möglicherweise nicht gefällt. Ebenso die Tatsache, dass die gelben Tonnen mit Computerchips ausgestattet sein werden. „Dadurch könnten wir die Tonnen den jeweiligen Anwesen zuordnen, und, wenn erforderlich, gezielt gegen permanente Fehlbefüllung vorgehen“, sagt Bürgermeister Klär. Denn noch immer scheint nicht jedem ganz klar zu sein, dass in die gelben Abfallsäcke oder -tonnen ausschließlich Verpackungsmüll gehört, also Kunststoff-, Metall- oder Verbundverpackungen. Das heißt, dass ein Eimer, in dem Farbe war, im gelben Behältnis entsorgt werden darf, ein Putzeimer aus dem gleichen Material jedoch nicht. Oder Blumentöpfe – waren darin Setzlinge, die umgetopft oder ins Land gesetzt wurden, dürfen die Töpfe in die Tonne beziehungsweise Tüte. Wurden die Blumentöpfe ohne Inhalt gekauft, dürfen sie später nicht darin entsorgt werden. Anders wäre dies bei einer Wertstofftonne. Die allerdings würde die St. Wendeler – im Gegensatz zur gelben Tonne – Geld kosten. Zwar sagt der Verwaltungschef, dass „wir die Bürger nicht mit Kosten überbelasten wollen“. Dennoch hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt zu prüfen, was es kosten würde, die Wertstofftonne einzuführen. Die Umrüstung wäre nach der Einführung der gelben Tonne recht einfach: es müsste lediglich ein entsprechender Aufkleber darauf gepappt werden.

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