Baby-Verwechslung 2007 in Saarlouis

Als geschah, was niemals geschehen darf

„Wirbel um vertauschte Babys in Saarlouis“ titelte die SZ vor zehn Jahren. Bundesweit berichteten Medien im Winter 2007/2008 über den Fall. FOTO: Ralf Hirschberger / picture-alliance/ ZB

Saarlouis. Der tragische Fall um zwei vertauschte Babys in Saarlouis sorgte vor zehn Jahren für Entsetzen im Saarland und bundesweit. Bis heute wirkt er nach – nicht nur für die Beteiligten.

Juni 2007: In einem Krankenhausbett hält eine Frau ein winziges Neugeborenes im Arm. Eigentlich sollte sie erfüllt sein von purem Glück. Stattdessen schleichen sich, diffus und entsetzlich, Zweifel ein. „Das ist nicht meine Tochter“, habe sie gedacht, sagt sie später. Das Mädchen sieht plötzlich anders aus. Doch zunächst geht dem niemand nach, das Personal auf der Geburtsstation der St. Elisabeth-Klinik in Saarlouis beruhigt, alles sei normal. Wie falsch das ist, stellt sich erst ein halbes Jahr später heraus. Nach sechs Monaten voller Liebe, erster Bindung, schlafloser Nächte beginnt der Albtraum – nicht nur für die eine, sondern für zwei Mütter. Sie haben das Baby einer anderen geliebt. Am Samstag vor zehn Jahren, am 8. Dezember 2007, titelt die SZ zum ersten Mal: „Wirbel um vertauschte Babys in Saarlouis“.

Es ist die dramatische Geschichte zweier kleiner Mädchen, die in der Klinik verwechselt wurden, kurz nach ihrer Geburt im Juni. Ihre Armbändchen wurden vom Pflegepersonal vertauscht, beim Baden oder Umziehen, der Hergang wird nie zweifelsfrei geklärt. Ein nie dagewesener, weltweit seltener Fall, der im Dezember die betroffenen Familien erschüttert, viele erschaudern lässt und Wellen schlägt im ganzen Land. Der Medien aus ganz Deutschland an den Schauplatz Saarlouis zieht. Der die Klinik hart trifft. Der die Politik beschäftigt. Der bis heute Konsequenzen hat. Am Ende auch positive, denn die Sicherheitslücken auf Geburtsstationen werden erst durch ihn bewusst – und behoben. Und es ist ein Fall, den alle Beteiligten bis heute nicht vergessen haben.

Die Hauptpersonen wollen öffentlich nichts mehr zu dem Fall sagen. Zumindest erklärt das Familie Klos aus dem Kreis Saarlouis; die damals als einzige betroffene Seite bekannt wurde und mit der Presse sprach, auch über die frühen Zweifel der Mutter. Heute bittet sie um Verständnis, keine Interviews mehr zu geben. Der Vorfall sei offen und gut verarbeitet, begründet die Mutter, die ihr traumatisches Erlebnis rund sechs Jahre nach dem Geschehen in einem Buch festhält. Um die Normalität zu erhalten, die längst eingekehrt sei, und ihre Tochter zu schützen, mag sie nichts mehr sagen. Damit das für beide betroffene Mädchen gilt, sollen ihre Namen nicht mehr gedruckt werden.

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