Unattraktiver Job im Spitzensport

Trainerinnen sind Mangelware

Hochsprung-Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen bei der Einkleidung für Rio 2016.FOTO: dpa

Von 33 Bundestrainern im Erwachsenenbereich der Leichtathletik sind drei Frauen. Brigitte Kurschilgen ist eine von ihnen. Sie macht einen Job, den immer weniger machen wollen. Der deutsche Sport fängt an, gegenzusteuern.

Es ist inzwischen 23 Jahre her, da saß der damalige Bundestrainer Wolfgang Killing bei Familie Kurschilgen in Fröndenberg auf der Terrasse und versuchte, seine frühere Hochsprung-Bekannte Brigitte für einen Job als Nachwuchs-Bundestrainerin zu gewinnen. Die Umworbene sagte erst ab, schließlich war sie Mutter zweier kleiner Kinder. Doch später sagte sie doch zu. Und so kann die gebürtige Krefelderin heute auf 23 Jahre in diesem Job zurückblicken. 23 Jahre, in deren Verlauf sie aus erster Hand erfahren hat, warum es für viele immer unattraktiver geworden ist, Bundestrainer in der Leichtathletik zu werden – gerade als Frau. Und so ist Kurschilgen unter aktuell 33 Bundestrainern im Erwachsenenbereich eine von drei Frauen.


Sie habe zu Beginn 400 Mark verdient, erinnert sich Kurschilgen. Nicht gerade das Gehalt, mit dem man entscheidend zum Familieneinkommen beitragen kann. Und auch heute, da sie seit 2009 Bundestrainerin im Seniorenbereich ist, sagt sie: „Es ist nicht schlecht, aber bestimmt nicht das, was mancher mit einem Bundestrainer-Gehalt verbindet. Und wir sind ja Manager in unserer Disziplin, der Trainerjob ist nur ein kleiner Teil davon.“ Hinzukommt: Planungssicherheit in ihrem Job gibt es im Prinzip immer nur für einen olympischen Zyklus. Dann verhandeln der deutsche Sport und das Bundesinnenministerium wieder neu über die Höhe der Sportförderung.

Dieses Problems ist sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) inzwischen immerhin bewusst. Die Arbeit als Bundestrainer „basiert auf teilweise befristeten Arbeitsverhältnissen und gestaltet sich daher nicht immer einfach im Sinne des Familienlebens“, wie Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport beim DLV, unserer Redaktion sagte. Kurschilgen konkretisiert: „Das eigene Sozialleben verläuft völlig anders als das der anderen. Das Training ist in der Woche in der Regel abends, die Wettkämpfe sind am Wochenende. Man kommt schnell mal auf eine 60-Stunden-Woche mit den langen Fahrzeiten“, sagt sie, die unter ihrem Mädchennamen Holzapfel 1978 EM-Bronze im Hochsprung geholt hat.

top