Fußball-WM in Russland

Die Löwen gehen mit Stolz und erhobenen Köpfen

Moskau. Engländer müssen gegen Kroatien ihrer Unerfahrenheit Tribut zollen. Die Insel feiert ihre Kicker trotzdem.

Harry Kane und seine geprügelten Löwen schlichen mit hängenden Köpfen in die Fankurve, doch dort wollten die stehenden Ovationen gar nicht mehr aufhören. Und als ihnen aus Tausenden Kehlen der Oasis-Song „Don‘t look back in Anger“ (“Schau nicht im Zorn zurück“) hinterherschallte, wichen Trauer und Tränen dem Stolz auf eine tolle WM und ein beeindruckendes Team – auch wenn das Fußball-Mutterland nach 52 Jahren weiter auf den Goldpokal warten muss. „Es tut weh, sehr sogar“, sagte Kapitän Kane nach dem 1:2 gegen Kroatien in Moskau: „Aber wir können die Köpfe weit oben behalten. Wir sind weiter gekommen, als ganz viele gedacht haben.“

„Stolz“ wurde zum am häufigsten gebrauchten Wort, auch in der Heimat. „Ich könnte nicht stolzer auf dieses Team sein“, schrieb Prinz William, der auch Präsident des Fußballverbandes FA ist, auf Twitter: „Ihr habt uns Fans etwas gegeben, an das wir glauben konnten. Wir wissen, dass von dieser Mannschaft noch mehr zu erwarten ist.“ Dieser Ansicht war auch Teammanager Gareth Southgate, als er erschöpft, aber auch schon wieder bemerkenswert kämpferisch vor die Presse trat. „Diesmal haben wir es nicht geschafft, aber wir werden daraus lernen“, sagte der Trainer. Er sei überzeugt, dass es „solche Erfahrungen“ seien, die eine Mannschaft „zu einem Gewinnerteam“ machten.

Diese Sätze können Englands Konkurrenten im Weltfußball getrost als Kampfansage auffassen. Die noch unerfahrenen Three Lions hatte die abgezockten Kroaten nach dem frühen Führungstreffer von Kieran Trippier (5.) im Luschniki-Stadion am Rande einer Niederlage, verloren aber auf dem Weg in ihr erstes WM-Finale seit dem Titelgewinn 1966 in der zweiten Halbzeit den Faden. Dennoch: Das gut funktionierende Spielerkollektiv mit Kane und Abwehrriese John Stones als tragende Säulen hat dem gebeutelten Fußball-Mutterland ein neues Selbstwertgefühl gegeben. In vier Jahren in Katar werden die Three Lions mit dem besonnenen Southgate auf der Bank mit ziemlicher Sicherheit noch schwerer zu schlagen sein. „Der Traum ist vorbei, aber nun haben wir 23 Löwen“, schrieb die Sun. 

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