Tennis

Zwei Tennis-Typen, ein Ziel

Wimbledon. Julia Görges und Angelique Kerber stehen im Wimbledon-Halbfinale. Beide unterscheidet viel – es gibt aber auch Gemeinsamkeiten.

(sid) Die Aussicht auf das erste rein deutsche Wimbledon-Finale seit dem legendären Duell zwischen Boris Becker und Michael Stich 1991 ließ irgendwann auch die sonst so nüchterne Julia Görges nicht mehr kalt. „Das klingt schon ziemlich cool. Das klingt verrückt“, sagte die 29-Jährige und strahlte über das ganze Gesicht. Ein rein deutsches Frauen-Endspiel in Wimbledon gab es nur ein einziges Mal – lange vor der Ära des Profitennis: Vor 87 Jahren standen sich Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel gegenüber. Wie auch Angelique Kerber steht Görges im Halbfinale des prestigeträchtigsten Tennis-Turniers der Welt. „Es wäre großartig für das deutsche Tennis“, meinte sie – auch wenn die letzte Hürde auf dem Weg dorthin wohl die größte ist.


Denn die Aufgaben, vor denen das sehr unterschiedliche deutsche Duo am heutigen Donnerstag (ab 14 Uhr/Sky) beim Sturm aufs Endspiel steht, sind gewaltig. Kerber bekommt es mit der Lettin Jelena Ostapenko zu tun, der mutig aufspielenden French-Open-Siegerin des Vorjahres, die als einzige Halbfinalistin noch ohne Satzverlust ist. Görges trifft auf Rekord-Grand-Slam-Gewinnerin Serena Williams. „Es ist eine Ehre, gegen sie auf dem Platz zu stehen“, sagte sie: „Trotzdem wird es ein Match wie jedes andere.“

Eben jene nüchterne Klarheit hat Görges in Wimbledon sehr geholfen. Selbst als sie im Viertelfinale gegen ihre gute Freundin und Doppelpartnerin Kiki Bertens (Niederlande) den ersten Satz verlor, ging die Bad Oldesloerin distanziert auf Ursachenforschung und drehte die Partie. Das Ergebnis eines Reifeprozesses, den Görges in 13 Profijahren durchlaufen hat. „Ich glaube nicht, dass ich es in jüngeren Jahren so neutral analysiert hätte“, sagte sie.

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