Tennis-Verband reformiert Turnier

Der Davis Cup ist Geschichte

Freude über den zweiten deutschen Davis-Cup-Titel: Im Dezember 1989 überschütten sich Eric Jelen (v.li.), Carl-Uwe Steeb und Boris Becker nach dem Sieg gegen Schweden in Stuttgart am Büffet mit Champagner. Foto: ImagoFOTO: imago sportfotodienst

Der Tennis-Weltverband reformiert den traditionellen David-Cup. Der traditionsreiche Wettbewerb wird zu einem einwöchigen Turnier umgebaut. Ex-Spieler Eric Jelen verrät, warum er das schade findet.

Für einen kurzen Moment hat die Stadionregie David Haggerty bei der Eröffnungszeremonie des Davis-Cup-Finales mit einer Kamera eingefangen und auf die Bildschirme in der Halle in Lille übertragen. Kurz danach setzt ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert ein. Der US-Amerikaner Haggerty gibt ein unmissverständliches Zeichen, von ihm abzuschwenken. Das Publikum lässt aber nicht locker und buht solange, bis der Präsident des Tennis-Weltverbands ITF den Court vor dem Finale zwischen Frankreich und Kroatien wieder verlässt. Für Tennis-Traditionalisten ist Haggerty das Feindbild Nummer eins. Denn der mächtige Funktionär hat durchgesetzt, dass der Davis Cup in seinem alten Format beerdigt wird – nach 118 Jahren. Kroatien steht seit dem vergangenen Wochenende als letzter Sieger nach altem Regelwerk in den Statistikbüchern.

Haggerty befand, es sei Zeit für etwas Neues. Mehr Unterhaltung. Mehr Spannung. Vor allem aber bessere Vermarktungschancen für seinen Verband. Anstelle von vier über das gesamte Jahr verteilten Runden mit Heim- und Auswärtsspielen in der Weltgruppe, spielen nun 18 Teams in einem einwöchigen Turnier in der zweiten November-Hälfte um die Trophäe. Nach einer Vorrunde folgt eine Finalrunde im Knock-out-Format mit jeweils zwei Einzeln und einem Doppel über zwei Gewinnsätze. In einem Qualifikations-Turnier im Februar sollen 16 Teilnehmer ermittelt werden, zwei weitere erhalten eine Wildcard. Lille und Madrid haben schon ihr Interesse als Ausrichter signalisiert. Die großen Tennisnationen Großbritannien, Australien und Deutschland waren gegen eine Änderung. Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), sagt: „Traurig. Für uns ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung, die uns erst einmal fassungslos macht.“

Nicht ganz so überraschenderweise hatte Haggerty ein anderes, verlockendes Argument für seine Pläne: mehr Geld. „Die ITF ist die einzige Organisation, die Geld in die Entwicklung des Spiels steckt. Und dieses Projekt versetzt uns dazu in die Lage“, sagte er vor der Abstimmung. Für die Finanzierung soll die Investmentgruppe Kosmos sorgen, zu deren Gründern Spaniens ehemaliger Fußball-Weltmeister Gerard Pique gehört. Drei Milliarden Dollar für 25 Jahre sind versprochen. Wie das Paket praktisch funktionieren soll? Nichts genaues ist bekannt.

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