Berufe im Gefängnis

Einblicke in den Alltag hinter Gittern

Eine der Herausforderungen bei der täglichen Arbeit mit Gefangenen ist der Zwangskontext: Die Inhaftierten sind nicht freiwillig im Gefängnis, einen Schlüssel haben nur die betreuenden Beamten. FOTO: dpa-tmn / Marius Becker

Hamburg/Neumünster. Die Arbeit im Gefängnis findet hinter verschlossenen Türen statt. Eine Psychologin, eine Anstaltsleiterin und ein Justizvollzugsbeamter geben Einblick in ihre Tätigkeit, von der viele Menschen einen falschen Eindruck haben.

() Wenn zum ersten Mal die Gefängnistür hinter einem Menschen zufällt, kann das ein komisches Gefühl sein. So ging es jedenfalls René Müller, als er vor mehr als 25 Jahren seine Arbeitsstelle im Vollzug antrat. „An das Gefühl habe ich mich aber schnell gewöhnt“, erzählt Müller. Er ist Vorsitzender beim Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) und hat sein Berufsleben mit der Bewachung Gefangener verbracht.

Beamte im Vollzugsdienst, Ärzte, Lehrer, Seelsorger, Psychologen oder Beschäftigte in der Verwaltung – im Gefängnis sind viele Berufsbilder vertreten. Jede Vollzugsanstalt ist eine eigene Welt, ein „Mikrokosmos“ oder eine „Kleinstadt“, wie Yvonne Radetzki es beschreibt. Die Juristin leitet die Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster und ist zweite Vorsitzende in der Bundesvereinigung der Anstaltsleiterinnen und Anstaltsleiter im Justizvollzug.

In dieser Kleinstadt zu arbeiten, bringt einige Besonderheiten mit sich. „Der Vollzug ist ein geschlossenes System“, sagt Psychologin Anne Giorelli. Als freie Mitarbeiterin des Psychologischen Dienstes der JVA Fuhlsbüttel in Hamburg begleitet sie Sicherungsverwahrte und Langzeitstrafgefangene therapeutisch. Ordnung und Sicherheit stünden dabei an oberster Stelle. Und das heißt: „Es gibt deutlich mehr Regularien als in der Welt außerhalb des Vollzugs.“

(dpa)
top