Zwei Millionen Euro Förderung

Computer sollen sehen lernen

Informatik-Professor Christian Theobalt arbeitet am Saarbrücker Max-Planck-Institut an Zukunftsthemen wie Virtuelle Realität und Künstliche Intelligenz. FOTO: Oliver Dietze / Uni

Saarbrücken. „Intelligente“ Maschinen brauchen leistungsfähige Sensoren. Forscher der Saar-Uni wollen sie alltagstauglich machen.

Künstliche Intelligenz (KI) wird in den kommenden Jahren eines der Top-Themen der IT-Welt. Computer, die nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns funktionieren, sollen ihre Umwelt erkennen und mit ihr interagieren können. Da genügt es allerdings nicht, dass nur die Software „intelligent“ ist. Damit ein Computerprogramm weiß, was in der Umwelt des Rechners geschieht, auf dem es läuft, braucht es völlig neue Sensoren. Deren wichtigster ist die Kamera. Sie soll aus der Szene, die das Objektiv gerade im Blick hat, mathematische Modelle aller sichtbaren Gegenstände und Personen erzeugen. Erst diese Übersetzung in die Sprache der Mathematik ermöglicht es der Logik eines Computerhirns, seine Umwelt zu verstehen. Mit anderen Worten: Die KI soll sehen lernen.

Diese Aufgabe packt nun Professor Christian Theobalt vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union an. Theobalt hat für dieses Projekt vom EU-Forschungsrat den mit zwei Millionen Euro dotierten Wissenschaftspreis EU Consolidator Grant erhalten. Der Professor der Saar-Universität entwickelt Softwareverfahren, die es einem Computer mit Hilfe einer einzigen, handelsüblichen Kamera ermöglichen sollen, beliebige Alltagsszenen dreidimensional zu erfassen.Dabei soll es keine Rolle spielen, wie viele Menschen oder Objekte sich gerade durchs Bild bewegen oder sich gegenseitig vorübergehend verdecken.

Solche Verfahren der Bildanalyse gelten als extrem schwierig. Weil sie mit heute verfügbarer Technik nur mit immensem Hardwareaufwand im Labor zu realisieren sind und nur mit einer begrenzten Zahl von Personen im Bild zurechtkommen, sind zum Beispiel für Videoanimationen in der Filmindustrie komplizierte Studioaufbauten nötig, in denen zahlreiche Kameras optische Daten aus vielen Blickwinkeln liefern. Die werden anschließend in wochenlanger Arbeit am Computer Bild für Bild zu einer Animation zusammengefügt. Die Saarbrücker Technik soll dagegen überall, unter allen Lichtbedingungen und in Echtzeit funktionieren.

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