Wald als Therapie

Tief einatmen: Waldluft ist gesund

Waldluft ist nicht nur praktisch frei von Feinstaub. In ihr haben Wissenschaftler auch eine ganze Reihe biologisch aktiver Substanzen entdeckt, die nachweislich positive Effekte auf unsere Gesundheit haben. Sie stärken zum Beispiel das Immunsystem. FOTO: Robby Lorenz

Saarbrücken. Ein Waldspaziergang als Krebs- oder Psychotherapie? Das ist nicht so abwegig, wie es im ersten Moment klingt. Es gibt Mediziner, für die gehören Aufenthalte im Forst auf jeden Fall zum Vorsorge- und Reha-Programm.

Wälder sind weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Sie bieten Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum, liefern Nahrung, medizinische Wirkstoffe und Schutz. Sie sind Luftfilter, Wasser- sowie Kohlenstoffspeicher und viele Menschen finden in Wäldern Erholung, Ruhe und neue Kraft. „Ein Wald wirkt ausgleichend. Auf das Klima ebenso wie auf den Menschen, denn er deckt unterschiedliche Dimensionen des Wohlbefindens ab. Luft, Licht, Farben, Temperatur und Geräusche wirken positiv auf alle Sinne – ganz anders als in der Stadt“, sagt Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Uni Wien. „Ein Waldspaziergang wirkt entspannend, senkt Blutdruck sowie Herzschlagfrequenz und fördert, sofern er nicht alleine unternommen wird, soziale Interaktionen.“

Deutschland ist mit elf Millionen Hektar das waldreichste Land der EU, 32 Prozent der Fläche sind mit Bäumen bewachsen. Rechnerisch stehen jedem Einwohner 1300 Quadratmeter Wald zur Verfügung. Dessen wirtschaftliche Bedeutung ist bekannt. Die gesundheitliche nicht, denn die in der Waldgemeinschaft ablaufenden biochemischen Prozesse sind kaum erforscht.

Die meisten Menschen fühlen sich in lichtem Laubmischwald wohl. Monokulturen aus Nadelbäumen  wirken hingegen auf viele eher düster und trist. Und tatsächlich sind Mischwälder artenreicher und ihre Lebensgemeinschaft ist auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Stürme. „Was genau jemand mit einem Wald verbindet, hängt allerdings von seinen individuellen Erfahrungen und oft auch von der ihm vermittelten Mystik ab“, sagt Hutter.

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