Es fehlt an Experten

Jede Menge unbekannte Insekten-Arten direkt vor der Haustür

Stefan Schmidt, Insektenforscher an der Zoologischen Staatssammlung München, nimmt einen Insektenkasten mit präparierten Insekten des Barcoding-Projekts aus dem Schrank. Foto: Tobias Hase FOTO: Tobias Hase

München. Eigentlich könnten sich die Biologen Jérôme Morinière und Stefan Schmidt freuen. Sie haben in den vergangenen Jahren wahrscheinlich Tausende neue Tierarten entdeckt, vor allem Insekten.

Nur weiß das leider niemand so genau, weil es an Experten für die Einordnung anhand besonderer Körpermerkmale mangelt. „Es fehlt an Leuten, die die Funde bestimmen können“, sagt Morinière.

Er und Schmidt arbeiten an der Zoologischen Staatssammlung München mit dem sogenannten DNA-Barcoding. Dabei wird ein Gen aus den Mitochondrien, den „Kraftwerken der Zellen“, sequenziert - das heißt: die Reihenfolge der vier Basen, aus denen die DNA besteht, wird entschlüsselt. Damit das am Computer übersichtlicher aussieht, werden die Basen mit verschiedenen Farben angezeigt. Das sieht dann ähnlich aus wie ein Strichcode auf Etiketten - daher der Name der Methode.

Das Material dafür bekommen die Forscher unter anderem aus Fallen im Wald. Von den rund 50.000 in Deutschland bekannten Tierarten hätten sie bisher etwa die Hälfte in die weltweite Datenbank des DNA-Barcoding-Projekts gespeist - und zählen damit zu den weltweit größten Probenlieferanten. Ziel sei es, dass in den nächsten 25 Jahren alle Arten auf der Welt erfasst sind.

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