Risiko nimmt zu

„Angreifer werden immer intelligenter“

Hackerangriffe laufen so still und heimlich wie möglich ab. Beim 460 000 Kilometer langen Stromnetz des Betreibers Innogy betrifft ein erfolgreicher Angriff jedoch potenziell viele Menschen. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst

Essen. Die Gefahr für deutsche Stromnetze durch Hacker steigt. Daher investieren die Netzanbieter in ihre Cyber-Abwehr.

Hacker kapern ein Stromnetz, legen Umspannwerke und Schaltanlagen lahm. In der Ukraine ist das im Dezember 2015 passiert – stundenlang fiel der Strom aus. In Deutschland undenkbar? Nein, sagt Florian Haacke. Er ist Leiter der Konzernsicherheit bei Deutschlands größtem Stromnetzbetreiber Innogy in Essen. „Die Cyberattacken zeigen, dass es Angreifer gibt, die ein Interesse haben, so etwas durchzuführen – und es können. Wir sollten nicht annehmen, dass dies in Deutschland nicht möglich ist.“

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einer Angriffswelle auf die deutschen Energieversorger. In die Büro-Netzwerke einiger Unternehmen seien Angreifer bereits eingedrungen. In zentrale Bereiche der Stromversorgung hätten es die Hacker noch nicht geschafft. Das sei aber „womöglich nur eine Frage der Zeit“, sagt BSI-Chef Arne Schönbohm.

Der Schutz vor schwerwiegenden Cyber-Angriffen ist nach Einschätzung von Norbert Pohlmann, Professor am Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, bisher auch deshalb gelungen, weil viele Stromnetze noch voneinander abgeschottet sind. Die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe werde mit der Digitalisierung aber steigen. „Der Schutz der Netze wird zu einer Herkulesaufgabe, denn die Angreifer werden immer intelligenter“, so Pohlmann.

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