Angebote schießen wie Pilze aus dem Boden

Die Digitalisierung der Gerechtigkeit

Im Internet häufen sich die Angebote für alle erdenklichen Formen des Rechtsbeistands. Auch Gerichtsakten werden bald digital sein. FOTO: BillionPhotos.com/ Fotolia / BillionPhotos.com

Hamburg . Immer häufiger werden juristische Fragen von Programmen bearbeitet und Dokumente über das Internet übertragen. Das birgt Risiken.

Im Gerichtssaal sitzen außer dem Angeklagten drei Roboter. Sie fungieren als Richter, Verteidiger und Staatsanwalt. Die Roboter tragen selbstständig die Klageschrift vor, stellen Anträge, präsentieren Beweismittel, erheben Einsprüche – und der Richter-Bot fällt am Ende das Urteil. Ganz so sieht die Zukunft der Rechtsprechung in Deutschland zwar nicht aus. Aber die Digitalisierung verändert gerade drastisch, wie Juristen arbeiten. Sogenannte Legaltech, also juristische Technologie, hält aber auch für Verbraucher einige Vorzüge bereit.

Der Ursprung des Technologieschubs im Rechtswesen liegt wie so oft in den Vereinigten Staaten, aber auch die deutsche Szene wächst täglich. Es gibt regelmäßige Treffen, einflussreiche Blogs, Vorträge, eine beachtliche Medienaufmerksamkeit und eine immer größer werdende Zahl von Startups. Eine Idee, deren Zeit gekommen zu sein scheint, ist das Erstreiten von Fahrgastrechten im Fall von Verspätungen und Ausfällen. Gleich mehrere deutsche Startups haben sich diesem oder einem ähnlichen Modell verschrieben.

Das funktioniert so: Eine Fluglinie streicht kurzfristig eine Verbindung. Daraufhin lässt sich der verärgerte Urlauber bei der Wahrnehmung seiner Fluggastrechte von einer solchen Neugründung unterstützen. Per Internet nimmt das Startup die Reiseunterlagen entgegen und treibt dann bei dem Flugunternehmen die zu erstattenden Kosten ein. Dafür verlangt das Startup natürlich eine Gebühr – aber nur, falls es Erfolg hat. Scherereien mit den Transportunternehmen und das Risiko, dass gar nichts bei einer Beschwerde herausspringt, übernimmt das Startup. Für dieses lohnt sich das Geschäft, wenn es viele Aufträge mit wenig Aufwand bearbeiten kann. Hier kommen die neuen Technologien ins Spiel: spezialisierte Computer-Programme bewältigen Aufgaben selbstständig. Im Fall der Flugkostenerstattung gleicht eine Software Wetter- und Flugdaten miteinander ab, um besser einschätzen zu können, wie wahrscheinlich eine erfolgreiche Beschwerde ist. Unternehmen mit ähnlichen Ansätzen konzentrieren sich auf Parktickets oder vermeintlich fehlerhafte Hartz-IV-Bescheide.

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