Kritik an Handygeschäften

Alleingelassen im Tarif-Dschungel

Kunden werden in vielen Handygeschäften nicht gut beraten. Sie wissen oft nicht, was sie unterschreiben.FOTO: Adam Gregor - stock.adobe.com / fotolia

Düsseldorf. Kunden würden im Handyladen oft zu teure Verträge aufgeschwatzt, sagen Verbraucherschützer. Das soll sich ändern.

 Wer in den Laden geht, um einen Handyvertrag abzuschließen, erwartet in der Regel, gut beraten zu werden. Das sei jedoch oft nur Theorie. In Wirklichkeit sehe die Situation meist völlig anders aus, sagen die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen. Statt ihnen zu helfen, würden die meisten Verkäufer die Kunden nur noch mehr verwirren. So sei es für Kunden vor Vertragsabschluss nicht ersichtlich, welche Kosten auf sie zukommen und welche Leistungen in ihrem Vertrag überhaupt enthalten seien, kritisieren die Verbraucherschützer. Kunden werden von den Verkäufern unter Druck gesetzt und überrumpelt, sagt NRW-Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser. So würden Kunden dem vorgelegten Vertrag oft zustimmen, ohne ihn richtig zu verstehen, kritisiert auch Wolfgang Schuldziniski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Hinzu komme noch, dass im Laden abgeschlossene Verträge in den meisten Fällen nicht widerrufen werden können. Die Verbraucherschützer fordern ein 14-tägiges Widerrufsrecht, wie es bei Haustürgeschäften und Vertragsabschlüssen im Internet bereits gelte. Denn wenn Kunden die tatsächlichen Vertragsbedingungen bewusst werden, bereuen viele ihre Unterschrift, sagen die Verbraucherschützer.

Dabei müssen Betreiber seit einer Verordnung von Mitte 2017 ihre Kunden vor dem Abschluss auf einem Informationsblatt über die wichtigsten Vertragsdetails informieren. Das Blatt soll sicherstellen, dass Kunden den Tarif mit Angeboten anderer Unternehmen vergleichen können. Die meisten Läden würden dieser Pflicht nicht nachkommen, sagt die Verbraucherzentrale. Eine Stichprobe in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale habe ergeben, dass von 301 Telefongeschäften nur zwei das Informationsblatt von sich aus verteilt haben. Neun von zehn Händlern haben auch auf Nachfrage das Papier nicht rausgerückt.

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