Verhütungsrisiko

So unsicher sind die meisten Zyklus-Apps

Wer sich auf Apps zur Verhütung verlässt, kann eine Überraschung erleben. FOTO: picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini

Heidelberg. Immer weniger Frauen nehmen die Antibaby-Pille. Gleichzeitig erleben natürliche Verhütungsmethoden einen Boom. Smartphone-Programme sollen als natürliche Verhütungsmethode dienen. Doch sie sind unzuverlässig. Gynäkologen reagieren alarmiert.

Irgendwann begannen sich die Frauenärzte eines Stockholmer Krankenhauses zu wundern: Innerhalb von drei Monaten hatten sich 37 Frauen gemeldet, die allesamt ungewollt schwanger geworden waren, obwohl sie verhütet hatten. Rasch stellte sich heraus, dass die Frauen dieselbe Zyklus-App eines Herstellers benutzt hatten, die vom TÜV Süd zertifiziert war. Die mit einem renommierten Reproduktionsmediziner entwickelte Zyklus-App sei so sicher wie die Pille, hatte der Anbieter geworben. Doch 37 ungewollte Schwangerschaften sagten etwas anderes.

Die Geschichte steht symptomatisch für einen zunehmend unübersichtlichen Markt der Verhütungs-Apps. Doch wie funktionieren diese überhaupt? Um den Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen, füttern die Nutzerinnen diese Miniprogramme aus dem Google oder dem Apple Store mit ihren Zyklusdaten: Sie messen regelmäßig Temperatur, prüfen die Konsistenz des Gebärmutterschleims – oder beides. Daraufhin berechnet der Algorithmus die fruchtbaren Tage.

Doch die Anwendungen sind alles andere als sicher. Die Stiftung Warentest testete zwischen Juli und September vergangenen Jahres 23 deutschsprachige Zyklus-Apps – mit desaströsem Ergebnis. Nur drei der 23 Anwendungen schnitten mit „Gut“ ab. Der Rest war mangelhaft.

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