Beihilfe zum Steuerbetrug

So lief der Steuerbetrug mit Schummel-Software in Szene-Kneipen

Saarbrücken. Ein Informatiker soll die Betrugs-Software programmiert haben, mit der saarländische Kneipiers den Staat um Millionen geprellt haben. Das funktionierte jahrelang gut. Aber ein Zufall brachte alles ans Licht.

Wegen Beihilfe zum Steuerbetrug hat das Landgericht Saarbrücken einen 45 Jahre alten Informatiker aus Baden-Württemberg zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Nach Feststellung der Richter soll der Angeklagte eine spezielle „Korrektur-Software“ für Registrierkassen programmiert haben, mit deren Hilfe die Betreiber von Szene-Kneipen in Saarbrücken und Saarlouis zwischen 2010 und 2016 ihren Umsatz und damit ihre Steuerlast nach unten gerechnet haben. Die beiden Gastronomen waren deshalb Ende 2016 bereits zu jeweils drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden (wir berichteten).

Nach Erkenntnis der Ermittler könnte der Gesamtschaden nebst Zinsen für den Staat allein in diesem Tatkomplex – gegen weitere Wirte wird noch ermittelt – in der Größenordnung von bis zu zehn Millionen Euro liegen. Das Ganze soll bereits im Jahr 2006 angefangen haben. Der Angeklagte habe nach Abschluss seines Informatikstudiums in Baden-Württemberg eine Software-Firma betrieben, die Computerprogramme für Registrierkassen entwickelte und verkaufte. So sei er in Kontakt zu einem Geschäftsmann aus dem Saarland gekommen, der solche Kassen vertreibt. Dieser Mann ist heute 75 Jahre alt, saß mit auf Anklagebank des Landgerichts und wurde wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

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