Mutmaßlicher Osmanen-Rocker wegen Verdachts des Drogenhandels vor Gericht

Saarbrücken. Seit Monaten sorgen die „Osmanen“ bundesweit für Schlagzeilen. Die rockerähnliche Gruppe, die sich selbst als Boxclub versteht, soll in Gewalt- und Drogenkriminalität verwickelt sein. Nun wird einem vermeintlichen Osmanen wegen Verdachts des Drogenhandels der Prozess gemacht.



Vor dem Landgericht Saarbrücken muss sich ein 29 Jahre alter Deutscher wegen Verdachts des illegalen Handels mit Medikamenten und Drogen verantworten. Laut Anklagschrift bewegt sich der Saarländer seit Jahren im Rockermilieu. Als damaliges Mitglied der "Lobos" soll er 2012 am gewinnträchtigen Handel mit Amphetamin im Kilobereich beteiligt gewesen und deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sein. Nun geht es vor Gericht um den angeblichen Handel des heutigen "Osmanen" mit Anabolika, mit einem Potenzmittel und mit Amphetamin. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe kam der Beschuldigte im August 2016 zunächst in Untersuchungshaft. Am Ende des ersten Prozestages wurde der Haftbefehl gegen den 29-Jährigen außer Vollzug gesetzt. Er wird also an den kommenden Verhandlungstagen als freier Mann den Gerichtssaal betreten und wohl auch verlassen.

Der Oberstaatsanwalt wirft dem Angeklagten vor, Ende 2015 eine illegale Medikamentenlieferung aus der Schweiz organisiert zu haben. Dort sollen 387 Ampullen Testosteron mit je 250 Milligramm Anabolika-Wirkstoff und 52 Schachteln eines Potenzmittels mit je sieben Einzelportionen gekauft worden sein. Diese sollten von zwei Mitbeschuldigten im Auto der Mutter des Angeklagten abgeholt, ins Saarland gebracht und hier weiterverkauft werden. Bei der Schmuggelfahrt habe der Angeklagte regelmäßig mit einem der Schmuggler via Handy Kontakt gehalten. Aber die Aktion ging schief. Auf einem Rastplatz in Süddeutschland geriet das Duo mit dem Auto in eine Polizeikontrolle und die Medikamente wurden sichergestellt.

Nach dieser missglückten Schmuggelfahrt sollen der Angeklagte und einer der beiden Mitbeschuldigten gemeinsam in den Rockerclub "Osmanen" eingetreten sein. Diese rockerähnliche und bundesweit aktive Gruppierung bezeichnet sich selbst als Boxclub. Sie sorgt seit einigen Monaten regelmäßig für Schlagzeilen in Zusammenhang mit Gewaltdelikten. Auch im Saarland sollen Mitglieder der "Osmanen" in irgendeiner Form bei einer Schießerei in Dudweiler und beim Handgranaten-Anschlag auf eine Shisha-Bar in Saarbrücken beteiligt gewesen sein. Damit hatte der 29-Jährige aber offenbar nichts zu tun. Er soll vielmehr im Bereich des Handels mit Amphetamin als Zwischenhändler tätig gewesen sein. Die Rede ist von drei Lieferungen zu jeweils 200 Gramm, die er auf Kommissionsbasis einem der angeblichen Beteiligten an der Schmuggelfahrt weitergab. Der soll die Drogen an Endabnehmer weiterveräußert haben. Das klappte angeblich zwei Mal, dann fiel der Mitbeschuldigte auf. Er wurde von der Polizei mit 81 Gramm Amphetamin erwischt und packte offenbar aus.

Die Anklageschrift gegen den 29-Jährigen stützt sich maßgeblich auf die Aussage dieses Mitbeschuldigten bei der Polizei. Zum Prozessauftakt wurde der mutmaßliche Mit-Osmane deshalb nun als Zeuge vor Gericht gehört. Dort verweigerte er komplett die Aussage, weil niemand sich vor Gericht selbst einer Straftat bezichtigen muss. Auch alle anderen mutmaßlichen Beteiligten an den angeblichen Taten des Angeklagten machten von Ihrem Recht auf Schweigen Gebrauch. Nun sollen die Aussagen der Betroffenen bei der Polizei und deren elektronische Spuren in sozialen Netzwerken und anderswo als Beweismittel herangezogen werden. Ob dies am Ende für eine Verurteilung des 29-Jährigen ausreichen wird, das ist offen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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