Südfrankreich

Stille Tage am Cap Ferrat

Im Winter ist das Cap Ferrat bei Nizza fast menschenleer. Bei einem Rundwanderweg kann man von hier auf zum Städtchen Beaulieu hinüberschauen. FOTO: Christine Maack

Cap Ferrat. Vor 150 Jahren war die Côte d’Azur das angesagteste Winterziel der Reichen. Heute haben Urlauber im Februar die Küste fast für sich alleine.

 Das Meer am Horizont leuchtet tintenblau. An der felsigen Küste schwappt es glasklar über die Steine, die leise knirschen, wenn die Welle zurückrollt. Die Sonne steht tief am Himmel und wärmt das Gesicht. Das tut gut, denn die Luft ist im Februar an der Côte d’Azur noch kühl und frisch. Ein paar Spaziergänger sind unterwegs auf dem Küstenwanderweg, der um das Cap Ferrat herumführt. Oft sind es wohlhabende Engländer, die hier wohnen und ihre schicken Hunde ausführen. Kein Vergleich zum lauten, heißen Sommer mit Gekreisch, Motorradlärm und aufblasbaren Einhörnern, die das Meer in einen Rummelplatz verwandeln.

Vor 150 Jahren war dagegen an dem Küstenstreifen zwischen Nizza und Menton im Februar die absolute Hauptsaison gewesen. Besonders in Monte Carlo traf man die Reichen und Berühmten, Queen Victoria, die russische Zarenfamilie, den belgischen König Leopold, die Rothschilds, aber auch ärmere Schriftsteller und Künstler wie Friedrich Nietzsche, F. Scott Fitzgerald und Katherine Mansfield. Wer ein bisschen etwas von den alten Zeiten spüren und eine Côte d’Azur erleben möchte, die noch nicht den Banalitäten des Hochsommers mitsamt den scharenweise einfallenden Kreuzfahrtgästen zum Opfer gefallen ist, sollte im Winter kommen.

Das Licht ist tagsüber sanft, dafür sind die Sonnenuntergänge spektakulär. Der Himmel leuchtet erst minutenlang dunkelgelb, dann füllt ein sattes Rot den Horizont aus, bis innerhalb von ein paar Sekunden ein schwarzer Vorhang fällt.

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