Bludruck

So werden Millionen Menschen zu Patienten

Saarbrücken . Die Fachgesellschaft für Kardiologie der USA hat den Grenzwert für Bluthochdruck deutlich reduziert. Nun gilt jeder zweite US-Bürger als Bluthochdruckpatient.

In den USA gelten seit Kurzem niedrigere Grenzwerte für den Blutdruck als in Europa. Bei identischen Werten würden damit Ärzte in den USA und in Deutschland unterschiedliche Diagnosen stellen. Denn laut den US-Leitlinien ist der Grenzwert für Bluthochdruck (Hypertonie) von 140/90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) auf 130/80 herabgesetzt worden. Dadurch gilt die Hälfte der US-Bürger als bluthochdruckkrank und behandlungsbedürftig. Nach der früheren Grenze, die der in Europa entsprach, war es nur ein Drittel.

In Deutschland sähe es ähnlich aus, würde die  Grenze den US-Werten angepasst. Ob dies geschieht, ist aber fraglich. Es soll zwar bald eine neue Leitlinie geben, aber die deutschen Ärzte sind vom Nutzen des US-Grenzwerts nicht überzeugt. „Derzeit gilt bei uns ein Blutdruck zwischen 130/80 und 140/90 mmHg als hochnormal“, sagt Bernhard Krämer, von der Universitätsmedizin Mannheim und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Auch wenn die Betroffenen noch nicht als krank eingestuft werden, heißt das nicht, dass sie unbesorgt so weiter leben sollten wie bisher.“ Ihnen sei dringend angeraten, den Lebensstil zu ändern.

„Wenn man die Situation in den USA und Europa genau vergleicht, ergeben sich gar nicht so große Unterschiede“, erklärt Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am Herzzentrum München und Wissenschaftlicher Beirat der Herzstiftung. „In erster Linie empfiehlt die amerikanische Fachgesellschaft eine andere Methode zur Blutdruckmessung.“ Sich mehr zu bewegen, das Gewicht zu reduzieren und weniger salzig zu essen lautet das Mantra der Hausärzte bei einem Großteil ihrer Patienten. Genau das empfehlen auch US-Leitlinien für die „neuen“ Hochdruckkranken. Medikamente sind für sie dies- und jenseits des Atlantiks nur in Ausnahmen vorgesehen, etwa wenn weitere Risiken vorliegen. Den Lebensstil zu ändern, erfordere Konsequenz und Geduld. „Da wir in Deutschland bei hochnormalem Blutdruck genauso vorgehen wie die Amerikaner bei den jetzt neu als Bluthochdruck eingestuften Werten, ergibt sich eigentlich nur auf dem Papier ein Unterschied. In der Praxis liegen wir sehr nah beieinander“, erläutert Herzspezialist Schunkert.

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