Chronischer Stress raubt viele Lebensjahre

Mütter, die chronisch kranke Kinder betreuen, stehen dauerhaft unter Stress. Das lässt ihre Zellen schneller altern und verschleißen. Forscher haben „mindestens ein Jahrzehnt der zusätzlichen Alterung“ nachgewiesen. Foto: FotoliaFOTO: Fotolia

San. Wissenschaftler können mittlerweile tief in menschliche Zellen hineinschauen. Dauerhafter, belastender Stress hinterlässt Spuren in den Zellen. Sie altern schneller und verlieren die Fähigkeit, sich zu teilen.

(ml) Wissenschaftler beginnen gerade zu ergründen, warum beim Meditieren vermehrt Telomerase in Zellen des menschlichen Körpers gebildet wird. Die Telomerase ist ein Protein, das Zellen vor frühzeitigem Verschleiß und vorzeitiger Alterung schützt und ihre Teilungsfähigkeit lange aufrecht erhält.


Telomerase kann nur gebildet werden, wenn die dafür zuständigen Gene ("Baupläne") aktiviert werden. "Vielleicht ist dazu der Abbau von psychischem Stress wichtig", sagt Dr. Elissa Epel von der Universität in San Francisco. Die Psychologie-Professorin konnte nachweisen, dass chronischer Stress die Produktion von Telomerase hemmt, wodurch die Telomere schneller verkürzen. Telomere sind chemische Strukturen, die wie Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, den Trägern der Gene, sitzen und einen frühzeitigen Verschleiß verhindern. Zum Erhalt der Telomere ist wiederum Telomerase erforderlich.

An der von Elissa Epel geleiteten Studie nahmen 58 Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren teil. Alle hatten ein Kind. Doch nur 19 Mütter zogen ein gesundes Kind groß. 39 Frauen betreuten hingegen ein chronisch krankes Kind. "Die Frauen mit dem höchsten Stressniveau hatten deutlich kürzere Telomere als Frauen mit wenig Stress", berichtet Epel. Bei den Frauen mit dauerhaftem starkem Stress entdeckten die Forscher "mindestens ein Jahrzehnt der zusätzlichen Alterung". Die stark gestressten Mütter hatten also deutlich abgenutztere Zellen als Frauen mit wenig Stress. "Stress kann einen früheren Beginn altersbedingter Krankheiten fördern", sagt Epel.

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