Rentnerdasein war kein Thema

Mit 65 hat er einfach weitergearbeitet

Der Gießer mit dem Gießer in der Hand. Der 78-jährige Siegfried Ruser arbeitet noch regelmäßig. FOTO: Iris Maria Maurer

Saarbrücken. Siegfried Ruser dürfte der älteste Arbeitnehmer des Saarlandes sein. Seit fast 65 Jahren arbeitet er als Gießer – heute aber nur noch in Teilzeit.

Von allen Seiten betrachtet Siegfried Ruser das Modell in seinen Händen. Schließlich nickt der 78-Jährige und zieht mit einem Textmarker eine sorgfältige Linie auf der kompakten Figur. Er möchte von der Figur einen Abguss machen, wofür zunächst ein Abdruck in Sand gemacht werden muss. Damit dieser gelingt, muss er sorgfältig planen, wie genau sein Modell in den Sand eingebracht wird. Ruser weiß genau, was er tut: Denn kaum jemand hat so viel Erfahrung im Metallguss wie Ruser. Seit fast 65 Jahren arbeitet er in der Martin Luck Metallgießerei in Saarbrücken. Dort angefangen hat er mit 14 Jahren, aber eher durch Zufall. „Meine Oma hatte da die Finger im Spiel“, erklärt er mit einem leichten Grinsen. Gelernt hat er dort Former, zu dieser Zeit der Hauptberuf.

Als er bei der Firma anfing, prägte sich sein Spitzname, der sich bis heute gehalten hat: Mecki. Warum er so genannt wird? Ruser zuckt die Achseln, lächelt: „Ich war mit 14 Jahren nicht all zu groß und schmächtig.“ An reiner Körpergröße können ihn auch heute noch viele seiner jüngeren Kollegen überbieten, kaum aber an Fachwissen. Denn was die Arbeit mit dem Sand und als Gießer angeht, ist Rusers Spezialwissen in der Firma kaum ersetzbar.

In den 1970er Jahren hat die Firma komplett auf Industrieguss umgeschwenkt, erzählt Ursula Kilburg, die das Unternehmen mittlerweile leitet. An eine Zeit ohne Ruser kann sie sich nicht erinnern: „Er war schon immer da.“ Und sein Fachgebiet war immer der Kunstguss. Für seine Werke füllt er Sand in einen Formkasten, in dem dann der Abdruck eines Objekts gemacht ist. Ist der Sand ausgehärtet, folgt der Guss mit dem flüssigen Metall.

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