Bundeskriminalamt

Wirtschaftskriminalität auf höchstem Stand seit fünf Jahren

Der Skandal um den Finanzdienstleister Infinus hat die Fallzahlen der Wirtschaftskriminalität hochschnellen lassen. Den Verantwortlichen drohen langjährige Haftstrafen. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert

Wiesbaden. Anlagebetrug, Abzocke im Internet, Abrechnungsschwindel im Gesundheitswesen: Wirtschaftskriminalität in Deutschland hat im vergangenen Jahr sprunghaft angezogen. 74 070 Fälle wurden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) erfasst und damit 28,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Dies sei der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre, teilte die Behörde mit. Auch der entstandene Schaden lag mit 3,74 Milliarden Euro um gut ein Viertel über dem Vorjahreswert (2,97 Mrd Euro). „Das Internet schafft neue und vielfältige Tatgelegenheiten“, erklärten die Ermittler.


So werden beispielsweise mit Hilfe spezieller Computerprogramme, die menschliche Identität vortäuschen – sogenannte Social Bots – Kaufentscheidungen manipuliert. Social Bots können große Mengen Informationen im Internet verbreiten und so Anleger von einem vermeintlich lukrativen Geschäft überzeugen. Oder Täter locken Anleger auf Plattformen, die hohe Gewinne versprechen – etwa über den Handel mit sogenannten Kryptowährungen. Das Bundeskriminalamt warnt: „Für die Anleger besteht die Gefahr, dass Täter das angelegte Geld nicht im angegebenen Sinn nutzen, sondern vielmehr zur illegalen Gewinnmaximierung.“

Dass die Fallzahlen von 2016 auf 2017 so deutlich nach oben schnellten, lag jedoch vor allem an einem großen Ermittlungskomplex: Der Anlagebetrug beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus. Gegen den Gründer und Ex-Führungskräfte der Firma läuft vor dem Landgericht in der sächsischen Landeshauptstadt ein Prozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrugs. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, über ein Firmengeflecht mindestens 20 000 Anleger um Geld geprellt zu haben. Den Schaden beziffern die Ankläger auf rund 150 Millionen Euro.

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