Auch wegen Personalmangel

Zahl der Arbeitsunfälle von Pflegekräften stark gestiegen

Die Linke fordert angesichts der Zunahme von Arbeitsunfällen mehr Arbeitsschutzkontrollen in den Betrieben. FOTO: dpa / Christoph Schmidt

In Deutschland gibt es immer mehr Pflegebedürftige, die Branche steht unter Druck. Das liegt auch an zu wenig Personal. Neue Daten zeigen jetzt: Die Arbeitsunfälle sind um knapp 50 Prozent gestiegen.

Die Zahl der gemeldeten Arbeitsunfälle von Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen ist in den zehn Jahren zwischen 2007 und 2017 drastisch um knapp 50 Prozent gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach verzeichnete die Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die im Gesundheitssektor der Unfallversicherungsträger für Angestellte ist, einen Anstieg von 74.321 auf 111.432 Arbeits- und Wegeunfälle in dem Zehn-Jahres-Zeitraum bis 2017. Insgesamt ist die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle der Antwort dagegen seit 2007 um 5,5 Prozent auf gut eine Million im vergangenen Jahr gesunken.

Gründe für den Zuwachs an Arbeitsunfällen im Gesundheits- und Pflegebereich dürften zum einen ein deutlicher Beschäftigungszuwachs in diesen Berufen sein. Denn auch die Zahl der Pflegebedürftigen ist wegen der demografischen Entwicklung angestiegen. Zum anderen berichten Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen immer wieder über Personalknappheit, Zeitnot, Überforderung, Stress und hohe Krankenstände. Auch dies dürfte mehr Arbeitsunfälle verursacht haben.

Betroffen sind vor allem Frauen, die den überwiegenden Teil der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegesektor stellen. Dies kann auch eine Erklärung dafür sein, dass die Entschädigungsleistungen der Unfallversicherungsträger für weibliche Beschäftigte seit 2009 insgesamt deutlich zugenommen haben, während sie für männliche Beschäftigte gesunken sind. Bei den Frauen wurden im vergangenen Jahr insgesamt gut 15 Prozent mehr Arbeitsunfälle entschädigt. Bei den Männern sank die Zahl dagegen um fünf Prozent. Im Gesundheitssektor stiegen die Entschädigungsleistungen sogar um 80 Prozent, wie aus der Antwort hervorgeht. „Die Beschäftigten in Gesundheit und Pflege – viele davon Frauen – leisten enorm wichtige Arbeit. Dass es hier offensichtlich mit dem Arbeitsschutz hapert, ist nicht zu fassen“, sagte Linken-Politikerin Jutta Krellmann. „Hier ist die Bundesregierung in der Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass endlich wieder flächendeckend Arbeitsschutzkontrollen durchgeführt werden.“


(mar)
top