Neuer Krimi von Klaus-Peter Wolf

Schöner Morden im Norden

Killen kann so schön sein: Diesen idyllischen Platz am Langeooger Strand hat sich Krimiautor Klaus-Peter Wolf für seinen jüngsten literarischen Mord ausgesucht. Hier schlägt „Dr. Sommerfeldt“ zu. FOTO: Oliver Schwambach

Langeoog. Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf sucht sich immer die schönsten Plätze für seine Bluttaten aus, aktuell die Insel Langeoog. Dort lässt er „Dr. Sommerfeldt“ quasi auf Rezept morden.

Klaus-Peter Wolf kennt mittlerweile bloß noch eine Richtung, mit der seine Bücher auf Bestsellerlisten einsteigen: von oben. Sieben Mal in Folge vom Verkaufsstart weg Platz eins der „Spiegel“-Bestenliste erobert – das sucht seinesgleichen. Noch irritierender aber für seine Mitbewerber um Deutschlands Krimi-Thron: Aktuell schaffte der norddeutsche Hochspannungslieferant das quasi mit einem Spin-off seiner Kernmarke, den Ostfriesenkrimis. „Totentanz am Strand“, der Band, den Wolf dieser Tage auf der Insel Langeoog vorstellte, ist der zweite seiner „Dr. Sommerfeldt“-Reihe. Der Hausarzt kuriert darin nervtötende Patienten und weitere überflüssige Zeitgenossen für immer – mit seinem chirurgisch präzis geführten Messer; Exitus und Schluss. Diesem Mords-Mediziner ist zwar auch Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen, die Protagonistin der Ostfriesenkrimis, hart auf der Spur. Die Ermittlerin muss sich nun aber mit einer Nebenrolle begnügen.

Ganz klar: Der Held heißt Sommerfeldt und ist Feingeist, Ästhet, aber eben auch ein Hochstapler. Sein Medizinstudium brachte der ungeliebte Sohn einer fränkischen Fabrikantenfamilie nicht zu Ende. Mit diesem schillernden Hasardeur hat Klaus-Peter Wolf eine Figur kreiert, die sich entfernt wohl gar der Verwandtschaft zu Patricia High­smiths killendem Kunstfreund Tom Ripley rühmen darf. Ripley wie Sommerfedt: Beide sind sie schlimme Finger, denen man aber die Sympathie kaum verweigern kann. Wenn sie morden, tun sie das so zwangsläufig, dass sich Böses ins scheinbar Notwendige verkehrt.

Dr. Sommerfeldt, hatte, bevor er – entlarvt – nun im zweiten Band auf der Flucht erstmal im Ruhrgebiet abtauchen muss, seine Praxis im ostfriesischen Küstenstädtchen Norden. Übrigens auch die Wahlheimat seines Schöpfers und Wohnsitz von Kommissarin Klaasen. Der Arzt mit den tödlichen Rezepten, sagt Wolf, sollte ursprünglich bloß ein besonders perfider Gegenspieler für Klaasen sein: Mega-Mörder versus Mega-Ermittlerin sozusagen. „Doch beim Schreiben behielt Sommerfeldt die Oberhand, ließ einfach keinen Perspektivwechsel mehr zu.“ Was Wolf mal als zwölften Ostfriesenkrimi geplant hatte, entwickelte immer mehr Eigenleben. Das sah auch Wolfs Lektorin beim Fischer-Verlag dann so und meinte: „Daraus machen wir ’was eigenes.“

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