CDU-Parteitag

„Es war mir eine Ehre“

Großes Pathos ist Angela Merkels Sache nicht, doch ihre Abschiedsworte spricht sie mit geröteten Wangen: „Es war mir eine große Freude.“ FOTO: dpa / Michael Kappeler

Hamburg. Sachlich, schnörkellos und selbstbewusst verabschiedet sich Angela Merkel vom Parteivorsitz und ruft zum Zusammenhalt auf.

Nach neun Minuten Beifall bewegt Angela Merkel beide Arme weit ausgebreitet nach unten. Wie eine Lehrerin, die die Klasse beruhigen muss. Erst da setzen sich die Delegierten wieder. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie andere nach 18 Jahren Parteivorsitz abgetreten wären. Emotionen, Pathos, vielleicht Tränen. Nicht so Angela Merkel. Ihre letzten, wirklich letzten Worte im Amt sind: „Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre.“ Nur dass ihre Wangen leicht gerötet sind, deutet auf eine gewisse Rührung hin.

Merkel hat immer ganz persönlich das Motto bestimmt, das über den Parteitagen hing. Sie lässt die Sprüche Revue passieren und fängt mit ihrem ersten Parteitagsmotto an, im Jahr 2000 in Essen. Es hieß „Zur Sache“. Das, sagt sie selbstironisch, sei „tpyisch Merkel“ gewesen, „knochentrocken“. Etliche Delegierte lachen. Wolfgang Schäuble nicht. Er ist am Ende auch der einzige, der kaum klatscht. Denn Angela Merkel sagt, sie habe die Partei damals übernommen, als sie „politisch, moralisch und übrigens auch finanziell vor dem Aus stand“. Vor ihr war Wolfgang Schäuble der Chef. Er musste wegen der Spendenaffäre zurücktreten. Merkel sagt, zwar könne man heute von sehr schwierigen Zeiten sprechen, wegen der AfD und wegen der Polarisierung. „Aber die Schicksalsstunde der CDU war vor 18 Jahren.“ Starker Tobak.

Eigentlich ist sie gar nicht auf Abrechnung aus. Aber erstens hat sich Schäuble mit seiner Wahlempfehlung für Friedrich Merz aus dem Fenster gehängt, und zweitens will die scheidende Vorsitzende ohnehin ein paar Dinge geraderücken. Denn „Merkel muss weg“ findet neuerdings auch in der CDU Wiederhall. Ein Delegierter aus Baden-Württemberg wirft ihr in der Aussprache zum Beispiel die „Entkernung“ der Partei vor. Er ist nicht der Einzige, der so denkt und redet. Merkel hält dieser Stimmung ihre persönlichen Grundsätze entgegen und bezieht sich auf den Leitspruch, den sie für dieses Mal gewählt hat. „Zusammenführen und zusammen führen“ heißt er und ist anders als vor 18 Jahren in Essen nicht aus Styropor, sondern kommt zeitgemäß aus dem Beamer. Merkel liebt solche Wortspiele. Dieser Satz ist ihr Vermächtnis, ihre Abschiedsbotschaft.

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