Nierentransplantation

Eine Berg- und Talfahrt der Gefühle

Nierenkranke müssen nicht unbedingt auf eine fremdes Organ hoffen, denn bei Lebendspenden stellen sich oft Verwandte oder Partner zur Verfügung. FOTO: picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper

Von Christine Maack. Eine Niere zu spenden ist keine Routine, sondern stellt Spender und Empfänger vor emotionale Herausforderungen.

Als bei Nadine Sieren aus Merzig innerhalb kurzer Zeit ein akutes Nierenversagen festgestellt worden war, stand die Frage nach einer Organspende im Raum. „In unserer Familie hat keiner auch nur eine Minute gezögert“, erklärt Nadines Mutter Edelgard, „mein Sohn, mein Mann und ich haben uns bereit erklärt, Nadine eine Niere zu spenden.“ Das ist nun viereinhalb Jahre her, Nadine war damals 36 Jahre alt. Untersuchungen ergaben schließlich, dass Mutter und Tochter sich genetisch am meisten ähnelten, so dass bei der Niere der Mutter die geringste Gefahr einer Abstoßungsreaktion bestand. Also spendete Edelgard Sieren ihrer Tochter die Niere. Seitdem ist Nadine gesund und auch bei Mutter Edelgard „stellte sich nach sechs Wochen eine völlige Normalität ein“.

Das hört sich am Ende alles wunderbar an, doch eine Nierentransplantation ist keine medizinische Routinemaßnahme, die man mal eben machen lässt. Sie bedürfe vielmehr einer gründlichen Vorbereitung, betont Professor Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Während dieser Phase kämen bei Patienten und Angehörigen immer wieder Fragen und Unsicherheiten auf. „Werden dann im Rahmen einer Lebendspende gleichzeitig noch zwei eng verbundene Menschen gemeinsam für ein solches Ereignis vorbereitet, dann kann das schon ordentlich an den Nerven zehren“, so Stöckle, der mit seinem Ärzte-Team im Vorfeld die Aufklärungsgespräche führt und sich nach dem Eingriff um die unmittelbare Nachsorge nach den Operationen kümmert. Die Urologen arbeiten dabei ganz eng mit der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten unter dem gemeinsamen Dach des Transplantationszentrums am Uniklinikum zusammen.

Dessen Leiter, Professor Urban Sester, erklärt: „Transplantationen sind immer auch mit einer intensiven Betreuung vor dem eigentlichen Eingriff und einer langfristigen Nachsorge verbunden. Wir kennen unsere Patienten und deren Familien und unterstützen sie in der Regel über Jahre hinweg.“ Mit dem Umzug des Transplantationszentrums in den Neubau für Innere Medizin, I-Med, habe sich nun auch eine erwünschte räumliche Nähe ergeben.

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