Eine App gegen Zoff mit Mitbewohnern

Eine App gegen Zoff mit Mitbewohnern

Witten. Wer ist der Schnorrer? Wer kauft ständig ein? Die gerechte Aufteilung der Kosten in Wohngemeinschaften hat schon oft unter Mitbewohnern zum Streit geführt. Wird mit einer neuen App tatsächlich alles besser?

Im Bad fehlen Putzschwämme, in der Küche türmen sich leere Bierkästen und in der Toilette hängt eine leere Papprolle. Wenn der Einkauf gefühlt nur an Einem hängen bleibt, hängt in vielen Wohngemeinschaften der Haussegen schief. Dabei geht's auch ums Geld: Wer mehrmals hintereinander den Vorrat an Kaffee oder Gewürzen auffüllt, kann sich ausgenutzt fühlen. Und wer hebt schon jedes Mal den Kassenbon auf oder führt penibel eine Haushaltskasse?

Der Student Niklas Priddat will sich mit den "kleinen nervigen Problemen" nicht mehr herumschlagen müssen. Der 22-Jährige meint, eine Lösung gefunden zu haben: eine eigene App. Gemeinsam mit einer Hand voll anderer Studenten erfand er das kostenlose Programm "Flatmate" - eine Art digitaler Rechenschieber für das Smartphone.

Die Funktionen des Programms seien bewusst schlicht gehalten. Man bestimmt die Mitbewohnerzahl, trägt die Kosten für die Allgemeinheit ein. Am Ende des Monats zeigt die App auf den Cent genau an, wer wem in der Wohngemeinschaft wie viel Geld schuldet. "Man kann die Kosten damit schneller aufteilen als mit dem Taschenrechner", meint Priddat.

Die Idee dazu kam beim Urlaub mit Freunden. Umgesetzt wurde sie im Bürotrakt des Wittener Forschungs- und Entwicklungszentrums: ein kleiner Raum, Tische, Monitore, ein altes Sofa, Espresso-Maschine, Colakisten und eine bekritzelte Wand mit Edding-Zeichnungen. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Witten /Herdecke legen die Strategie fest, Studenten von der TU Dortmund sind fürs Programmieren zuständig. Aus der Urlaubsidee wurde ein Team, aus dem Team eine kleine Firma: "Mateapps" heißt die GmbH - "Apps für Mitbewohner".

Bald sollen auch optionale Zusatzkäufe möglich sein: Nutzer müssten dann für eine detaillierte Auswertung oder E-Mail-Benachrichtigungen extra zahlen. Erst vor wenigen Monaten fand ein Geldgeber Gefallen an der Idee der Studenten und unterstützte das Projekt mit einem fünfstelligen Betrag.

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