Luftfahrt

Lufthansa schluckt größten Teil von Air Berlin

Berlin/Saarbrücken. Der Kaufpreis liegt bei 210 Millionen Euro. Doch das Geschäft muss noch von der EU-Wettbewerbsbehörde abgesegnet werden.

(dpa/SZ) Carsten Spohr verkündet seinen Triumph in der guten Stube Berlins: Im Fenster sieht man die Kuppeln des Gendarmenmarkts, dahinter Flugzeuge im Anflug auf Tegel. Es sei ein historischer Tag, sagt der Lufthansa-Chef, bevor er mehr als die Hälfte der insolventen Air Berlin übernimmt. Nach Frankfurt, München und Hamburg gibt die Lufthansa damit auch an den Flughäfen Berlin und Düsseldorf den Ton an. Mit reichlich politischem Rückwind hat der Kranich-Konzern seine Chance genutzt. „Wir wären blöd, wenn wir das verpennen“, meint Spohr, der sich an diesem Tag noch ein bisschen mehr als „Herr der Lüfte“ fühlen kann.

Im Detail sieht der Deal so aus, dass die Lufthansa den größten Teil der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin übernimmt. An den Branchenprimus im deutschen Luftverkehr gehen 81 von 134 Flugzeugen. Zudem können 3000 der rund 8000 Air-Berlin-Beschäftigten zu dem Konzern wechseln, wie Spohr ankündigte. Air Berlin erhält nach eigenen Angaben etwa 210 Millionen Euro als Kaufpreis. Für weitere Maschinen verhandelt Air Berlin mit Easyjet, anders als geplant gelang bisher aber keine Einigung. Zugleich sucht das Management in einem gesonderten Verfahren noch Angebote für die Techniksparte.

Gewerkschaften warfen dem Konzern vor, sich seiner sozialen Verantwortung zu entziehen. Hintergrund ist, dass nur rund 1300 der 3000 genannten Mitarbeiter direkt übernommen werden – das sind diejenigen, die bei den Air-Berlin-Töchtern Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter beschäftigt sind, die Lufthansa komplett übernimmt. Die übrigen Mitarbeiter müssen sich bei der Konzerntochter Eurowings neu bewerben und fürchten Gehaltseinbußen. Verdi forderte von der Politik und den beteiligten Unternehmen, eine Transfergesellschaft für die übrigen Beschäftigten zu ermöglichen.

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