Autozulieferer

ZF will mehr für Gesundheitsschutz tun

Getriebeprüfung bei ZF. Auch die Ergonomie der Arbeitsplätze kommt neu in den Fokus. FOTO: Becker + Bredel Gbr / Becker + Bredel

Saarbrücken. Der Autozulieferer nimmt sich des hohen Krankenstandes an. Auch das Führungsverhalten wird untersucht.

Angesichts eines hohen Krankenstandes will ZF im Werk Saarbrücken das Gesundheitsmanagement deutlich ausweiten. Angesichts einer Krankheitsquote von mehr als sieben Prozent stünden weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung im Fokus, sagte Werksleiter Hermann Becker gestern. Konkrete Schritte werden jetzt mit dem Betriebsrat verhandelt. Vor allem gehe es darum, das aktuelle Schichten-Modell zu überdenken. „Wir kommen nicht um das Drei-Schicht-Modell herum“, sagte Becker. Aber es sei mittlerweile erwiesen, dass mehr als drei Nachtschichten in Folge negative Auswirkungen auf die Gesundheit hätten. Bei ZF seien derzeit noch fünf aufeinanderfolgende Nachtschichten üblich. Das soll künftig auf zwei Schichten reduziert werden.

Betriebsratschef Wolfgang Schuler kündigte an, die Belegschaft zu ihren Vorstellungen zu befragen. „Wir werden dann Pilotprojekte starten und neue Schicht-Modelle testen“, sagte er. Auch den Arbeitnehmern sei klar, dass ZF nicht um die Nacht-Schichten herumkomme, aber gemeinsam mit dem Management werde man versuchen, die Schichten so gesund wie möglich zu machen.

Weil auch psychisch bedingte Krankheiten immer stärker zunehmen, gelte es auch, das Führungsverhalten im Unternehmen stärker unter die Lupe zu nehmen, sagte Matthias Scherer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei ZF. „Bei rund zehn Prozent der Führungskräfte gibt es deutlichen Schulungsbedarf in dieser Richtung“, sagte Scherer.

Die Gründe sowohl für die körperlichen wie auch die psychischen Probleme der Mitarbeiter liegen allerdings für den Betriebsrat wie auch für die Werksleitung auf der Hand: „In den Jahren 2010 bis 2015 hatten wir das Problem, überhaupt unsere Kunden zu versorgen und Stillstände zu vermeiden“, sagte Becker. In diesen Jahren ist das Werk in atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen. Innerhalb weniger Jahre war die Produktionskapazität von 740 000 Getrieben auf rund 2,4 Millionen Getriebe gestiegen. Die Mitarbeiterzahl hat sich in dieser Zeit etwa verdoppelt.

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