Fußball-WM 2022 in Katar

Infrastruktur gut, Kicker nicht vorhanden

Die Fußballstadien in Katar, so wie hier das Khalifa International Stadium in Doha, sind in perfektem Zustand. Eine Mannschaft, die sportlich mithalten kann, hat das Emirat aber nicht vorzuweisen. Noch nicht. FOTO: dpa / Sven Hoppe

Hamburg. Katar droht bei der Heim-WM in vier Jahren ein sportliches Desaster. Kauft sich das Emirat nun eine Weltauswahl zusammen?

Zinédine Zidane musste nicht lange auf ein neues Jobangebot warten. Katar lockt den Startrainer angeblich für sein Projekt Fußball-Weltmeisterschaft 2022, und Geld spielt, natürlich, keine Rolle. Der Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani soll bereit sein, Zidane stattliche 200 Millionen Euro zu überweisen – damit der zurückgetretene Ex-Trainer von Real Madrid die lahmende Nationalmannschaft des Landes endlich in Form bringt. Schließlich droht dem Gastgeber in vier Jahren ein sportliches Desaster.


Katar ist das erste Gastgeberland der Geschichte, das sich nie zuvor sportlich für eine Endrunde qualifiziert hat. Das Team dümpelt auf Platz 98 der Weltrangliste – nur einen Rang besser platziert als Palästina. Die Milliarden-Investitionen in eine überragende Infrastruktur wie etwa das ultramoderne Leistungszentrum Aspire Academy zahlen sich bisher nicht aus. Und dennoch sagt Nasser Al-Khater, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, voller Optimismus: „Ich denke, wir haben gute Möglichkeiten, für 2022 eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu stellen.“ Doch wie soll das so schnell gelingen? Droht etwa eine Einkaufs-Tour wie zuletzt bei den Handballern vor der Heim-WM 2015?

Katar ist als Investor längst ein Riesen-Player im Sport, aber fußballerisch immer noch ein Zwerg. Auch die Übernahme der KAS Eupen 2012 hat daran noch nicht viel verändert, der Provinzclub in Belgien ist seither die Kaderschmiede des Emirats in Europa. Talente, die nach einem aufwendigen Scouting und viel Training in der hauseigenen Akademie für gut genug befunden wurden, sollen sich in Eupen den letzten Schliff holen. Allerdings schafften bisher kaum gebürtige Katarer den Sprung nach Europa.

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