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Mikroplastik schwimmt sogar schon im Bier

Mikropartikel aus Kunststoff sind mittlerweile in vielen Lebensmitteln zu finden. Auch im Bier. FOTO: dpa / Roland Weihrauch

Brüssel/Berlin. Wissenschaftler finden Abfallreste nicht nur in Meereslebewesen, sondern zunehmend auch in Pflanzen.

(byl) Wenn von Mikroplastik die Rede ist, denken wir meist an die Verschmutzung der Meere. Ein halbes Jahrhundert vergeht dort, bis eine Kunststoffflasche unter dem Einfluss von Wind, Wellen und UV-Strahlung zerbröselt. Werden die Fragmente kleiner als fünf Millimeter, werden sie als Mikroplastik bezeichnet. Wenn die im Ozean treibenden Plastikkrümel klein genug sind, werden sie von Meereslebewesen gefressen. Bei der Makrele schwanke der Prozentsatz der Tiere mit Mikroplastik in den Verdauungsorganen je nach Region zwischen 13 und 30 Prozent, berichtet das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Doch weil die Partikel meist im Magen und Darm der Tiere konzentriert seien, landeten sie in der Regel nicht auf unseren Tellern, berichtet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Bei Krusten- und Weichtieren dagegen werde der Verdauungstrakt mitgegessen. Wie schädlich die darin enthaltenen Plastikkrümel für Menschen sind, sei nicht erforscht. Ein möglicher Grund zur Sorge seien hohe Konzentrationen von Schadstoffen und Rückständen aus Verpackungsmaterialien. Doch bisher gebe es dazu nur Schätzungen.

Doch Mikroplastik ist nicht nur ein Problem im Wasser, sondern auch an Land, berichtet das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Tatsächlich könnten die winzigen Plastikkrümel an Land schädlicher wirken als in den Ozeanen. Das liege zum Teil daran, dass ein viel größerer Teil des Plastikmülls an Land bleibe. So gelangten jährlich viele Tausend Tonnen Mikroplastik über das Abwasser in den Klärschlamm, der als Dünger auf Felder gebracht werde.

Mikroplastik könne dort auf vielfache Weise Schaden anrichten. Weil die Plastikkrümel zusammengenommen eine riesige Oberfläche haben, können dort Krankheitserreger haften. Regenwürmer bauten ihre Höhlen anders, wenn Plastik im Boden stecke. Das wiederum habe Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit. Generell gelte: Wenn Plastikpartikel zerfallen, drohe die Gefahr, dass sie giftig wirken. Besonders problematisch seien chemische Effekte bei der Zersetzung, berichtet das Wissenschaftlerteam um Anderson Abel de Souza Machado. Aus Plastik könnten zum Beispiel Substanzen austreten, die wie Hormone wirken. Noch kleinere Plastikbruchstücke können Entzündungen auslösen, in Zellen eindringen und dort sogar biochemische Reaktionen auslösen.

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